16:08 18 September 2020
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    Als berühmter Satiriker macht man sich schon viele Feinde, sodass gelegentlich das eine oder andere Hassbriefchen ins Postfach flattert. Doch der Fernsehmoderator und Satiriker Jan Böhmermann weiß damit umzugehen: 14.000 Twitter-Konten soll er bereits verbannt haben.

    Böhmermann ist gerne im Kurznachrichtendienst Twitter unterwegs. Dafür stehen seine gut zwei Millionen Follower. Dass er sich hin und wieder einen Scherz auf Kosten anderer erlaubt, ist auch bekannt und berüchtigt. Ganz anders sieht es aus, wenn ihm mal jemand in den Kommentarspalten blöd kommt. „Hausverbot in meinem digitalen Kleinkunsttheater“ nennt er die Verbannungs-Praxis und blockiert wohl verschmitzt lächelnd unliebsame Twitter-Accounts.

    Diese Funktion nutze er „seit Dezember 2015 ausgiebig“, sagte Böhmermann gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. „Da ist für mich die Idee zusammengebrochen, dass das Internet ein Ort sei, wo alle miteinander kommunizieren. 2015 entlud sich in diesem Medium, was sich in der Wirklichkeit angestaut hatte: der Hass.“

    Dabei verfolgt Böhmermann eine bestimmte Taktik und filtert die unliebsamen Kommentare nach bestimmten Begriffen heraus. „Bevor ich jemanden blockiere, schaue ich immer genau, was die posten“, sagte er in dem SZ-Interview. „Als Indikator dienen mir oft durchgesickerte Begriffe.“

    Kein Pardon mit Demokratie-Feinden

    Böhmermann scheint vor allem Wert auf ein anständiges Demokratieverständnis zu legen. Bei Begriffen wie etwa „Gutmensch oder links-grün-versifft, Zwangsgebühr, Systemling“ sieht er rot oder vielleicht auch etwas anderes – jedenfalls ist da Schluss mit lustig. Viele Menschen zeigten ihre Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und ihrer Institutionen durch Sprache, sagt Böhmermann.

    „Das ist wie beim Zahnarzt, der mit blauer Farbe überprüft, wo man nicht gut geputzt hat. Sobald du in dieser Welt drin bist und das Sickergift geschluckt hast, fällt das sprachlich auf.“ Und dieses Gift wolle er „nicht in meinem Twitter-Feed haben (...). Nicht für mich und nicht für mein Publikum.“

    Am kommenden Donnerstag erscheint Böhmermanns Buch „Gefolgt von niemandem, dem du folgst: Twitter-Tagebuch. 2009-2020“. Darin berichtet er unter anderem darüber, dass er inzwischen knapp 14.000 Twitter-Accounts blockiert habe. Alle Achtung, Herr Böhmermann – Sie sitzen am längeren Twitter-Hebel. 

    mka/gs

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    Tags:
    Twitter, Jan Böhmermann, Satire