21:24 19 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (91)
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    Die sibirische Verkehrspolizei hat Deutschland Hilfe bei der Ermittlung des Falls Alexej Nawalny angeboten. Aber bislang gebe es keine Antwort, so der Interimsleiter der Ermittlungsverwaltung des russischen Innenministeriums im Föderationskreis Sibirien, Sergej Potapow.

    Eine entsprechende Anfrage über die Gewährleistung von Rechtshilfe wurde demnach am 27. August an die zuständigen Behörden Deutschlands gerichtet. „Leider haben die Sicherheitsbehörden Deutschlands keine Antwort gegeben. Im Fall der Anfrage von Informationen sind wir bereit, diese Angaben detailliert zu prüfen“, sagte Potapow gegenüber dem TV-Sender „Rossiya 1“.

    Er betonte unter anderem, dass etwa 40 Besichtigungen der Aufenthaltsorte von Nawalny in Tomsk, Omsk und Moskau durchgeführt worden seien. Darüber hinaus seien Personen befragt worden, die sich an jenen Orten befunden hätten, die der russische Blogger und Kreml-Kritiker besucht hatte. Von ihnen erhielt man etwa 100 Erklärungen.

    Mit Rücksicht auf die in den Medien aufgetauchten Informationen darüber, dass Militärspezialisten Giftspuren im Organismus von Nawalny gefunden hätten, führen demnach Mitarbeiter der Verkehrspolizei zusätzliche Untersuchungen durch und ziehen zusätzliche Versionen des Geschehens in Betracht. Jedoch sei es derzeit schwer, zu diesem Thema ohne konkrete Angaben seitens der deutschen Seite zu arbeiten, sagte Potapow.

    „Derzeit ist die Tatsache der Verübung von rechtswidrigen Handlungen gegenüber dem Bürger Nawalny durch Materialien des Vorprüfungsverfahrens nicht bestätigt worden. Das Vorprüfungsverfahren läuft weiter“, so Potapow.

    Bundesregierung zum Fall Nawalny

    Die Bundesregierung sieht es nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit dem militärischen Nervengift „Nowitschok“ vergiftet wurde. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am vergangenen Mittwoch von einem „versuchten Giftmord“.

    Das russische Außenministerium bezeichnete die Eile, mit der die USA und die EU die Version von Nawalnys Vergiftung unterstützt haben, als verdächtig. Moskau befürworte eine gründliche Untersuchung des Vorfalls, hieß es.

    Russland ist nach Angaben von Kremlsprecher Dmitri Peskow zur allseitigen Zusammenarbeit mit Deutschland bezüglich der Situation um den russischen Blogger Alexej Nawalny bereit. Moskau weist aber darauf hin, dass Berlin bislang keine Antwort auf offizielle Anfragen gegeben habe.

    Fall Nawalny

    Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs gewesen, als er sich während des Fluges plötzlich sehr schlecht gefühlt hatte. Daraufhin war die Maschine umgehend in der Stadt Omsk notgelandet. Nawalny soll noch an Bord das Bewusstsein verloren haben. Sein Umfeld vermutete sofort eine Vergiftung, doch die Ärzte in Omsk stellten nur eine Stoffwechselstörung fest. Im Blut oder Urin wurden keine Giftspuren entdeckt.

    Nachdem ihn die russischen Ärzte für transportfähig erklärt hatten, wurde der Oppositionsblogger mit Hilfe der Organisation „Cinema for Peace” in die Berliner Charité-Klinik überführt. Dort befindet er sich weiterhin in einem künstlichen Koma. Die Berliner Ärzte sprachen daraufhin von Beweisen für eine Vergiftung mit Cholinesterase-Hemmern – einer breiten Gruppe von Stoffen, zu der sowohl verschiedene Arzneimittel als auch mehrere Kampfstoffe – darunter die der Nowitschok-Reihe – gehören.

    ak/sna/sb

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    Ermittlung, Hilfe, Deutschland, Sibirien, Russland