20:17 05 Dezember 2020
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    Ärzte sprechen von zunehmenden Engpässen bei den Laborkapazitäten in Deutschland. Die beginnende Grippesaison werde die Zahl der nötigen Abstriche vervielfältigen, sagte die Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Online Montag).

    Sie äußerte Besorgnis darüber, dass die Laborkapazitäten bereits jetzt knapp seien. Um Grippe- und Corona-Infektionen zu unterscheiden, sei in jedem Verdachtsfall ein Rachenabstrich nötig, so die Verbandsvorsitzende. „Bei steigenden Infektionszahlen müssen wir im Herbst mit größeren Engpässen und längeren Wartezeiten rechnen.“

    Auf eine mögliche Verkürzung der Isolations- und Quarantänezeiten eingehend, forderte Teichert ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern: „Es muss bundesweit einheitliche Regeln für die Dauer einer Isolierung von Corona-Infizierten, Verdachtspersonen und Kontaktpersonen geben.“

    Vor der für Dienstag angesetzten Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Leitern von Gesundheitsämtern, Gesundheitsdezernenten, Landräten und Oberbürgermeistern verwies Teichert auf die Notwendigkeit baldigster Schritte zur Entlastung der Gesundheitsbehörden: Der von Bund und Ländern für den öffentlichen Gesundheitsdienst geschlossene Pakt einschließlich der zugesagten 5000 Dauerstellen sei ausdrücklich zu begrüßen. Die Gesundheitsämter bräuchten aber dringend auch kurzfristige Hilfe.

    „Kaum eine der zugesagten Vollzeitstellen wird unter den aktuellen Bedingungen bereits in diesem Herbst besetzt sein können“, so Teichert. Es werde Jahre dauern, bis alle Lücken geschlossen seien. Wenn die Zahl der Corona-Infektionen im Herbst wieder deutlich steigen sollte, seien erneut Tausende von Freiwilligen nötig, um Infektionsketten nachzuverfolgen und Quarantäne-Maßnahmen zu kontrollieren, sagte Teichert.

    Laut Experten sind in der Corona-Pandemie neben mangelnden Laborkapazitäten auch Risiken für zunehmende Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten und Impfstoffen zu befürchten.

    Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sind besorgt wegen des Umstands, dass die Herstellung von Arzneimitteln und Impfstoffen globalisiert und stark spezialisiert ist. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel bei der ABDA, sagte dazu, wenn es für einen wichtigen Wirkstoff nur einen Produzenten gebe und dieser von einem Lockdown betroffen sei, könne dies auch für die Versorgung in Deutschland schwerwiegende Folgen haben.

    Wie Ärztepräsident Klaus Reinhardt vor kurzem im „Tagesspiegel“ sagte, sei man zu Beginn der Pandemie in Sorge gewesen, dass zentrale Substanzen wie Propofol für künstliche Beatmung oder das in der Intensivmedizin nötige Adrenalin knapp werden. Auch bei einigen Impfstoffen sei es vorübergehend zu Engpässen gekommen, so Reinhardt.

    Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM/Bonn) liegen nach dem Stand vom 30. August 317 Lieferengpassmeldungen vor. Sie betreffen 138 Wirkstoffe, 87 von ihnen seien versorgungsrelevant.

    ls/sb/dpa

     

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