22:23 19 September 2020
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    Ein Jahr nach dem Tod einer 28 Jahre alten Frau und ihres per Notkaiserschnitt zur Welt gebrachten Babys durch verunreinigte Glukose ist Anklage gegen eine Apothekerin aus Köln erhoben worden. Ein entsprechendes Statement machte das Landgericht Köln am Dienstag.

    Die Staatsanwaltschaft wirft der 50-Jährigen demnach versuchten Mord durch Unterlassen vor. Sie soll pflichtwidrig eine Mitteilung an das behandelnde Krankenhaus unterlassen haben, dass eine Lidocainvergiftung als Ursache für den schlechten Gesundheitszustand in Betracht komme.

    „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beschuldigte durch Hinweise von Mitarbeitern der gynäkologischen Praxis und einer Ärztin aus dem behandelnden Krankenhaus auf die Vorfälle vom 17. und 19.09.2020, nach Kontrolle der eigenen Bestände und nach einer Besprechung mit ihren Mitarbeitern spätestens um die Mittagszeit wissen musste, dass bei den später Verstorbenen eine Lidocainvergiftung als Ursache für den schlechten Gesundheitszustand in Betracht kommt“, so das Gericht laut der DPA.

    Gleichwohl soll die Apothekerin nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht das behandelnde Krankenhaus informiert haben. Die Beschuldigte soll deswegen billigend in Kauf genommen haben, dass die junge Frau und ihr Kind „auch aufgrund ihrer unterlassenen Mitteilung (früher) versterben könnten“.

    Weitere Anklage gegen die Apothekerin

    Außerdem habe die Staatsanwaltschaft Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen die 50-Jährige erhoben, hieß es vom Gremium. Dabei gehe es um die Verunreinigung der Glukose.

    Ob diese Anklageschrift zugelassen und das Hauptverfahren eröffnet wird, entscheidet das Gericht. Die Prüfung dürfte einige Wochen in Anspruch nehmen.

    Todesfälle in Köln

    Die 28-Jährige und ihr Baby waren Mitte September 2019 gestorben, nachdem die Frau eine Glukosemischung aus einer Kölner Apotheke zu sich genommen hatte. Das Präparat war Teil eines Routinetests auf Diabetes in der Schwangerschaft.

    Das giftige Betäubungsmittel Lidocainhydrochlorid, das man in der Glukose nachgewiesen hatte, wurde nach früheren Angaben der Ermittler in einem sehr ähnlichen Gefäß gelagert wie die Glukose. Deshalb gehen sie nach früheren Angaben von einem Versehen aus.

    Die Mutter starb nach Angaben des Gerichts zu der Anklage an einer Lidocainvergiftung. Ihr Kind sei an seiner Frühgeburtlichkeit oder an einer Lidocainvergiftung gestorben.

    Eine andere Schwangere, die nur einen Schluck der Lösung getrunken habe, habe sich im Krankenhaus rasch von der Lidocainvergiftung erholt.

    mo/sb/dpa

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