22:20 30 September 2020
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    Am letzten Freitag ist das letzte Projekt der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) beendet worden: Die Eröffnungszeremonie des Ceneri-Tunnels. Somit endet ein über zehnjähriges Projekt, welches der Schweiz geholfen hat und helfen wird. Durch die Neat wird sogar ein direkter Güterzugverkehr von Rotterdam bis nach Genua ermöglicht.

    1999 fand die erste Sprengung statt und markierte den Beginn der Neat – der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale. Zwei Jahrzehnte später wird das Projekt nun abgeschlossen, dass ab dem Dezember 2020 die ersten Fahrten durchgeführt werden können. Am letzten Freitag fand die Eröffnungszeremonie des Ceneri-Tunnels statt: Dem letzten der drei Alpentunnel der Neat. Somit ist nun eine direkte Verbindung von Rotterdam nach Genua mit dem Schienenverkehr möglich.

    Insgesamt ist der Ceneri-Tunnel 15,4 Kilometer lang und verbindet Camorino und Vezia (beide im Kanton Tessin) durch das Gebirge der Ceneri-Zone. Der Basistunnel sei das drittgrößte Tunnelbauprojekt der Schweiz laut des „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF). Wie die anderen beiden Tunnels gehören zum Tunnel zwei Einspurröhren, die mit Beton verkleidet sind – mit zusätzlichen Schichten aus Kunststoff-Folien, Drainage und Spritzbeton. Die jeweiligen Röhren sind 40 Meter voneinander entfernt und mit Querschlägen alle 325 Meter verbunden.

    Mit dem Ceneri-Basistunnel wird die Bahn zum schnellsten Verkehrsmittel im Kanton Tessin. Obwohl er eigentlich einer der größten Auto-Kanton ist – nur 20 Prozent aller Tessiner würden mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren. Mit diesem Projekt könne sich dies ändern: Dank der Eröffnung des Tunnels wird der Kanton Tessin für die SBB (Schweizerische Bundesbahn) zum zweitgrößten Regionalverkehrsmarkt. Sogar das Pendeln zwischen Locarno und Lugano werde dadurch bald erleichtert: Statt einer 50-minütigen Fahrt gebe es nun eine direkte Verbindung in nur 30 Minuten.

    Die Verlagerungspolitik

    Die Eröffnung des Tunnels würde nicht nur für die Bevölkerung eine enorme Verbesserung bringen. Dazu äußerte sich die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga Ende August gegenüber dem SRF: Auch die europäische Verkehrspolitik profitiere enorm von dem Schweizer Schienenverkehrs-Projekt. Mit dem Abschluss der Neat würde die Schweiz einen wichtigen Schritt Richtung Verlagerungspolitik des Bundes gehen. Diese versuche mehr Güter von der Straße auf die Schienen zu bringen. Mit dem Ceneri-Basistunnel habe man nun eine Flachbahn durch die Alpen, so Sommaruga.

    Zur Verlagerungspolitik meinte Sommaruga außerdem: „Aber es wird nicht ausreichen. Deshalb habe ich im Bundesrat kürzlich weitere Maßnahmen vorgeschlagen, um Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen.“

    Auch im Ausland würde vieles für den Schienenverkehr geschehen, jedoch nicht überall so, wie sich es versprochen oder abgemacht worden sei. Während Sommaruga die italienischen Projekte im Thema Ausbaus des Zugverkehrs lobte, machte sie auf die großen Verspätungen in Deutschland aufmerksam. „Deshalb habe ich letztes Jahr mit dem deutschen Verkehrsminister eine Erklärung abgeschlossen, die besagt, dass wir trotz der Verspätungen mehr Kapazitäten auf der Schiene schaffen, auch in Deutschland“, so Sommaruga zum SRF. Ebenso mit Frankreich stehe die Schweiz im nahen Gespräch bezüglich weiterer Eisenbahnstrecken.

    Die Neat

    Mit dem Abschluss des Ceneri-Tunnels wurde auch gleichzeitig der letzte Teil der Neat abgeschlossen. Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale kennzeichnet ein Jahrhundertbauwerk für den gesamten Schweizerischen und Europäischen Schienenverkehr. Im Jahr 1992 stimmte die Schweizer Bevölkerung „Ja“ für die Neat, doch die Entscheidungen und Planungen nahmen schon viel früher ihren Ursprung.

    Die Neat umfasst drei Basistunnel: den Lötscheberg-Tunnel, den Gotthard-Basistunnel und den nun fertigen Ceneri-Basistunnel. Die ersten Bauarbeiten für die Neat fingen im Oktober 1993 an und erstreckten sich bis zum Dezember dieses Jahres. Der Lötschenberg-Tunnel bildete den ersten fertigen Tunnel dieses Bauprojekts dar. 2007 durfte die Öffentlichkeit den Lötschenberg-Tunnel erstmals benutzen. Anschließend folgte 2016 die Eröffnung des längsten Eisenbahntunnels der Welt: dem Gotthard-Basistunnel. Ganze 57 Kilometer streckt sich der Gotthard durch die Schweizer Alpen, von Erstfeld (Kanton Uri) bis Bodio (Kanton Tessin).

    Mit der Beendigung des Ceneri-Basistunnels verfügt die Schweiz nun offiziell über eine Flachbahn in den Alpen – diese werde gerade für die schweren Güterzüge dringend gebraucht. Nun wäre es möglich, diese Güter zu transportieren ohne Bergstrecken überwinden zu müssen. „Ohne die Investition in die Neat würden heute jedes Jahr 800.000 Lastwagen mehr die Alpen auf der Straße überqueren“, sagt Sommaruga begeistert im Interview mit dem SRF.

    lm

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    Tags:
    Schweizer Alpen, Schweiz, Güterverkehr, Eisenbahnverkehr, Eisenbahn, Schienen