09:09 30 September 2020
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    Der deutsche Harvey Weinstein? Der bekannte Regisseur Dieter Wedel soll seine Machtposition systematisch ausgenutzt und junge Schauspielerinnen sexuell belästigt und sogar vergewaltigt haben. Für den juristischen Kampf gegen den einflussreichen Regisseur bittet das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer Jany Tempel um finanzielle Unterstützung.

    Mit einer Kampagne auf „Go fund me“ wendet sich die ehemalige Schauspielerin Jany Tempel an die Öffentlichkeit mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Sie ist ein mutmaßliches Missbrauchsopfer des gefeierten Regisseurs Dieter Wedel.  Von den für den Rechtsstreit benötigten 50.000 Euro sind bisher rund 27.500 Euro zusammengekommen.  

    Im Januar 2018 schlug die Geschichte in der deutschen Medienöffentlichkeit ein: In einer ausführlichen Reportage des „Zeit-Magazins“ erhob eine Reihe von Frauen schwere Vorwürfe gegen den bekannten Regisseur Dieter Wedel. Der in der Filmbranche geachtete und einflussreiche Wedel soll wiederholt seine Machtposition ausgenutzt haben, um junge Schauspielerinnen, die auf eine Rolle in seinen Produktionen hofften, sexuell zu belästigen und sogar zum Sex zu zwingen. Gestützt wurden die Aussagen der drei ehemaligen Schauspielerinnen von diversen Zeugen, darunter ehemaligen Mitarbeitern des als promiskuitiv bekannten Regisseurs. Mit dieser Geschichte ist die MeToo-Bewegung vor zweieinhalb Jahren endgültig in Deutschland angekommen, nachdem in den USA ähnliche Vorwürfe an die Adresse des bekannten Filmproduzenten Harvey Weinstein veröffentlicht waren. Was ist seither passiert?

    "Ich war jung und hatte damals Angst"

    Im Zentrum der Geschichte stand damals die ehemalige Schauspielerin Jany Tempel. 1996 soll die damals 27-Jährige im Zuge eines Vorsprechens von Wedel vergewaltigt worden sein. Dieser soll sie in sein Hotelzimmer eingeladen haben, wo er ihr im Bademantel die Tür geöffnet und sie anschließend bedrängt und vergewaltigt habe. Zunächst hatte die junge Frau nicht den Mut gefunden, gegen Wedel vorzugehen.

    „Ich war jung und hatte damals Angst, gegen diesen Giganten vorzugehen. Wer ihn kennt, weiß, wie viel Macht er hatte. Und wenn man so bekannt und so mächtig ist, wie er, hat man viel zu verlieren. Was kann man einer solchen Person also alles zutrauen, damit so ein Verbrechen nicht ans Tageslicht gelangt? Ich hatte Angst, also schwieg ich“, so Tempel.

    20 Jahre später ...

    20 Jahre später wagte sich die ehemalige Schauspielerin aus der Deckung. Ihr Anwalt habe sie an die Redaktion des „Zeit-Magazins“ weitergeleitet, dem sie nicht nur die eigene Geschichte erzählt, sondern auch weitere Opfer und unzählige Zeugen vermittelt habe.

    „Die Redaktion war sehr daran interessiert, dass wir Informantinnen klarnamentlich auftreten. Um dieses Risiko einzugehen, hatte ich jedoch Bedingungen. Ich bat um juristischen Schutz und dass neben mir mindestens eine weitere Frau namentlich auftreten sollte. Geld verlangte ich nicht. Man sicherte mir meine Bedingungen zu.“

    Doch dann sei alles anders gekommen. Der Fall sei keineswegs verjährt gewesen und die Staatsanwaltschaft München habe Ermittlungen gegen Wedel aufgenommen. Nach zweieinhalb Jahren Ermittlungen und noch bevor der Prozess gegen Wedel angefangen hat, beliefen sich ihre Kosten bereits auf 70.000 Euro und sie sei finanziell am Ende, sagt Jany Tempel. Der gefeierte Regisseur Dieter Wedel hingegen verfüge über schier unerschöpfliche Mittel, es sei ein Kampf „David gegen Goliath“. Doch aufgeben will Tempel nicht. Sie ist sich sicher:

    „Der Prozess gegen Dieter Wedel wird einer der bedeutendsten in der Geschichte Deutschlands werden. Er wird darüber entscheiden, wie mit Machtmissbrauch in unserem Staat künftig umgegangen wird. Welchen Stellenwert hat eine Vergewaltigung in unserer Gesellschaft? Werden einem solche Verbrechen verziehen, nur, weil man eine berühmte Person ist? Ein Freispruch Dieter Wedels würde genau das bedeuten! Deshalb ist es wichtig, diesen Prozess zu führen und zu gewinnen, um ein deutliches Zeichen zu setzen. Sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch dürfen nicht toleriert werden!“
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    Tags:
    Veröffentlichung, Öffentlichkeit, Kultur, MeToo, Spende, sexueller Missbrauch