16:20 30 November 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    69213
    Abonnieren

    Ein anerkannter Experte für indigene Gruppen ist in Brasilien getötet worden. Wie Reuters berichtet, wollte sich Rieli Franciscato einer indigenen Stätte nähern, als ihn ein Pfeil tödlich in die Brust traf.

    Zu der Tragödie kam es in einer abgelegenen Region des Bundesstaates Rondonia im Nordwesten Brasiliens. Angaben zufolge war der Experte in dem Gebiet unterwegs, um für die Indigenen-Behörde der Regierung eine isoliert lebende Gruppe am Fluss Cautario zu überwachen.

    Laut Reuters näherte sich der Experte einer indigenen Gruppe nahe des Reservats Uru Eu Wau Wau, als ihn ein Pfeil in die Brust traf.  Der Experte habe noch die Kraft aufgebracht, den Pfeil aus der Brust herauszuziehen. Daraufhin sei er 50 Meter gelaufen, bis er dann tot zusammengesunken sei, hieß es mit Verweis auf einen der Polizisten, welcher den 56-Jährigen bei seiner Mission beigleitet hatte.

    Nach Angaben von Augenzeugen wurde der Experte bei seinem Versuch, sich den Ureinwohnern zu nähern, bereits zuvor mit mehreren Pfeilen beschossen. Franciscato habe da noch versucht, hinter einem Auto in Deckung zu gehen.

    Ein Fotojournalist, der Zeuge des Unglücks wurde, erklärte, dass die Menschen aus der betroffenen Gruppe normalerweise friedlich auf Außenstehende reagieren würden. Bei dem Vorfall seien sie allerdings mehreren bewaffneten Polizisten begegnet, was sie allem Anschein nach als ernsthafte Bedrohung aufgenommen hätten.

    Kein Unterschied zwischen Freund und Feind

    Die Kanindé Ethno-Environmental Defense Association, die sich für das Wohl bedrohter indigener Gruppen im Amazonas-Gebiet einsetzt und unter anderem von Rieli Franciscato gegründet wurde, hat inzwischen mitgeteilt, dass so isoliert lebende Gemeinschaften bei Außenstehenden nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden könnten.

    Der Tod des Experten ergeignete sich vor dem Hintergrund der umstrittenen Umweltpolitik von Präsident Jair Bolsonaro. Der brasialinische Präsident hatte grünes Licht für die Rodung von Wäldern in dem einzigartigen Amazonas-Gebiet gegeben. In den letzten Jahren ist der Wald in der Region bereits stark gerodet worden.

    Bolsonaro bezeichnete zuvor die dort lebenden indigenen Stämme als „Höhlenmenschen“, die in die zivilisierte Gesellschaft integriert werden müssten. Beobachter befürchten, dass es in Zukunft zu gewaltsamen Auseinansetzungen mit den Ureinwohnern kommen könnte.

    mka/rtr/gs

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Iran: Organisator der Ermordung von Atomphysiker Fachrisadeh steht fest – Rache versprochen
    „Da wird nicht gemeckert“: Ist das deutsche Grundgesetz an Corona-Toten schuld?
    Tschechiens Präsident will Liste aller russischer Spione im Land – Medienbericht
    Tags:
    indigene Völker, Brasilien