06:21 21 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (91)
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    Im Instagram-Account des russischen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny ist das erste Foto von ihm nach dem Erwachen aus dem Koma veröffentlicht worden.

    Der russische Blogger und Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat sich nun von seinem Krankenbett in der Berliner Charité gemeldet. 

    In seinem Instagram-Account wurde ein Bild gepostet, das Nawalny mit seiner Familie zeigt. 

    „(…) Ich kann bislang fast nichts, aber gestern konnte ich den ganzen Tag selbstständig atmen. Absolut selbstständig. Ohne Fremdhilfe, sogar das einfachste Ventil im Hals nutzte ich nicht. Das hat mir sehr gefallen. Ein wunderbarer, von vielen unterschätzter Prozess. Kann ich empfehlen“, schrieb Nawalny.

    Der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny, der seit dem 22. August 2020 in der Berliner Charité behandelt wird, hat sich laut einer Mitteilung des Klinikums vom 14. September verbessert. Der Patient konnte vollständig von der maschinellen Beatmung abgeschaltet werden.

    Fall Nawalny

    Am Montag teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit, die Bundesregierung habe mit Frankreich und Schweden auch weitere europäische Partner um eine unabhängige Überprüfung des deutschen Nachweises anhand erneuter Proben von Nawalny gebeten. Die Ergebnisse dieser Überprüfung durch Speziallabore in Frankreich und Schweden hätten „den deutschen Nachweis“ bestätigt.

    „Unabhängig von den noch laufenden Untersuchungen der OPCW haben damit nun bereits drei Labore unabhängig voneinander den Nachweis eines Nervenkampstoffes aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache der Vergiftung von Herrn Nawalny erbracht“, hieß es.

    Die Bundesregierung hatte am 2. September, nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr, mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei. Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst in einem Omsker Krankenhaus behandelt hatten.

    Moskau bezweifelt die Behauptung der Bundesregierung und will Informationen darüber erhalten, welche Substanz genau bei dem Oppositionellen gefunden wurde. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte deshalb Ende August ein Rechtshilfegesuch an Deutschland gerichtet. Die Berliner Senatsjustizverwaltung gab inzwischen bekannt, dem Rechtshilfeersuchen der russischen Behörden nachzukommen.

    Hintergrund

    Der russische Blogger und Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt. Noch am selben Tag begannen die russische Staatsanwaltschaft und die Polizei mit den Ermittlungen.

    ak/sna/sb

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