22:38 27 September 2020
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    Der neue Podcast der Kabarettisten Florian Schroeder und Serdar Somuncu im rbb sorgt gerade für eine heftige Diskussion auf Twitter, wobei vor allem Somuncu viel Shitstorm bekommt. Der Grund dafür sind seine obszönen Äußerungen vor allem über Frauen. Der rbb hat sich gerade entschuldigt.

    Eigentlich wurde der Podcast der beiden Männer schon am 7. September auf der rbb-Seite veröffentlicht. In diesem wollte der „Mainstreamer“ Schroeder, wie er sich etwa auf einer Corona-Demo in Stuttgart vorgestellt hatte, mit Somuncu über die Corona-Leugner, die „Bild“-Zeitung und die Grenzüberschreitung sprechen – drei Stunden sind es geworden. Doch nachdem der Journalist Malcolm Ohanwe einen zweiminütigen Auszug auf Twitter gestellt hatte, kann sich die Empörungswelle nicht glätten.

    ​„Der #Somuncu muss einfach mal wieder richtig durchgef*ckt werden, so unentspannt, wie der gerade ist“, schrieb etwa die „Tagesspiegel“-Journalistin Hatice Akyün. Sexismus sei niemals lustig, meldete sich die SPD-Politikerin Derya Türk-Nachbaur. „Fragt die Betroffenen.“ Oder etwa die Autorin Jutta Ditfurth: „Serdar Somuncu ist stolz darauf, rassistische Begriffe zu verwenden, und will es weiter tun. Was für ein Arschloch.“ Was hat denn Somuncu eigentlich gesagt? 

    „Solange es nicht unter Strafe steht“ 

    Der Auszug sei rassistisch, vor allem sehr sexistisch und generell unverblümt und provokativ, kommentierte Ohanwe seine Veröffentlichung. In den zwei Minuten wird der Kontext des Gesagten kaum verständlich, erklärt aber die Reaktionen. „Es geht mir am Arsch vorbei, ob das Zigeunerschnitzel heißt oder Mohrenwirt“, sagt Somuncu etwa darin. „Die Leute sollen sich fi**en. Die sollen <...> Stunden und Tage und Wochen lang im Internet darüber diskutieren, ob das berechtigt ist oder nicht. Solange es nicht unter Strafe steht, sage ich Ne*er.“ Menschen, die sich über solche Bezeichnungen echauffieren würden, seien „alles Pisser“, so Somuncu  weiter, und zwar „meistens Frauen“, die „schlecht geb*****, miese, hässliche Schabracken.“ 

    „Ich sag mal so, wenn er das über Alte Weiße umweltverschmutzende Menschen gesagt hätte, gäbe es jetzt einen Anruf vom Intendanten persönlich. Aber bei Frauen und N*gern darf Satire ja bekanntlich alles“, kritisiert Ohanwe weiter – und findet viel Zuspruch. Auch weist Ohanwe darauf hin, dass Somuncu an anderen Stellen etwa Frauen Inkonsequenz unterstelle oder diese schon ernst angreife. Sie alle wollten sich ins Gesicht spr*tzen lassen und seien deswegen keine echten Feministinnen, so Somuncu. Auch nennt der Satiriker die Frauen mehrmals „F*tzen“. 

    „Hättet ihr den Podcast in Gänze gehört...“

    Auch finden sich diejenigen, die Somuncu in Schutz nehmen. „Wer sich über Somuncu aufregt, der hat nichts gecheckt“, schreibt ein Nutzer. „Wer #Somuncu nicht aushält, hat das Prinzip einer freien Gesellschaft nicht verstanden“, so der FDP-Aktivist Ali Utlu. „Hättet ihr den Podcast in Gänze gehört, wüsstet ihr, dass #Somuncu seine Aussage kurz nach dem Ausschnitt als ‘pseudoernst’ beschreibt“, argumentiert ein anderer Nutzer. In der vollen dreistündigen Aufnahme folgen die umstrittenen Äußerungen von Somuncu auf die Frage von Schroeder über die Cancel Culture in Deutschland. „Es schließt an den Authenzitätsterrorismus an, an den Glauben, alles, was ein Mensch in der Öffentlichkeit sagt, muss seine private Meinung sein“, grübelte Schroeder dabei. Für Schroeders Begriffe gibt es keine Cancel Culture, sondern eine „Enge, was gesagt werden soll und in bestimmten Kreisen und wie mit dem umgegangen wird“. Darauf sagte sein Gesprächspartner, bevor es hart wurde: „Das fordert mich zu einer Ehrlichkeit, die verletzend ist.“ Im Versuch, Somuncus Motive zu verstehen, fragte der Journalist Rayk Anders etwa in die Runde: „Verstehe ich das richtig, dass Somuncu AfD-Wähler imitiert, um zu beweisen, wie schnell linke Gutmenschen empört sind (…)?“

    Rbb: “Niemals die Absicht gehabt...“

    Der rbb-Sender hat sich zu dem Unmut bereits geäußert – ebenfalls auf Twitter. Der Radioeins-Podcast 'Schröder und Somuncu' sei als Comedy/Satire vorgesehen und dementsprechend auch gekennzeichnet. 

    ​Die veröffentlichten Zitate seien ebenfalls aus dem Zusammenhang gerissen und könnten ohne Kontext nicht verstanden und bewertet werden. „Auch der veröffentlichte Podcast-Ausschnitt ist als satirische Überspitzung zu sehen, eine gezielte Provokation, die im besten Fall beim Publikum einen Denkprozess in Gang setzt. In diesem Fall war die Idee, zu zeigen, wie in einer verkürzten Medienöffentlichkeit wenige Äußerungen ausreichen, um Menschen zu provozieren, was im Podcast zuvor auch thematisiert wurde.“ Dass es zu den Missverständnissen gekommen sei und viele Zuhörer*innen des Podcasts sich beleidigt oder herabgewürdigt fühlen würden, tue dem Sender leid. Radioeins übernehme hiermit die Verantwortung dafür und entschuldige sich auch im Namen der beiden Protagonisten bei all diesen Menschen. Man habe niemals die Absicht gehabt, rassistische oder sexistische Stereotypen zu befördern, so die Botschaft.

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    Tags:
    Deutschland, Satiriker, Skandal, rbb, Twitter