05:27 27 Oktober 2020
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    Er soll sensible Daten von Personen des öffentlichen Lebens erbeutet und veröffentlicht haben. Deswegen steht ein 22-Jähriger nun vor Gericht. Doch der Prozess findet hinter verschlossenen Türen statt.

    Wegen eines massiven Online-Angriffs auf etwa 1000 Politiker und Prominente steht von Mittwoch an (23.9.) ein 22-Jähriger vor dem Jugendschöffengericht im osthessischen Alsfeld. Der junge Mann aus Homberg (Ohm) soll private Daten erbeutet und diese dann im Netz veröffentlicht haben. Der Fall hatte 2019 bundesweit für viel Aufsehen gesorgt - zumal der mutmaßliche Hacker damals Schüler war und bei seinen Eltern wohnte. Unter anderem waren mehrere Bundestagsabgeordnete betroffen. Der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil der Angeklagte zum Tatzeitpunkt als Jugendlicher beziehungsweise Heranwachsender galt.

    Die Liste der Vorwürfe ist laut der Frankfurter Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) lang: Angeklagt ist der 22-Jährige unter anderem wegen

    • Ausspähens und Veränderung von Daten,
    • Fälschung,
    • Datenhehlerei,
    • falscher Verdächtigung und Vortäuschens von Straftaten
    • sowie versuchter Erpressung.

    Laut Anklage fing er bereits 2015 damit an: Demnach gelangte er über die Rücksetzfunktion von E-Mailfächern und Online-Profilen an Passwörter. In anderen Fällen soll er bereits gestohlene Daten auf einer illegalen Hacker-Webseite gekauft haben. Dann änderte er die Passwörter, um die Opfer auszusperren. Seine Beute: Adressen, Kreditkartendaten, Telefonnummern, Fotos und Korrespondenz.

    In einer Art digitalen Adventskalender” bei Twitter stellt er laut Anklage im Dezember 2018 täglich neue Daten von Politikern, Journalisten, Rappern, YouTube-Stars und anderen Prominenten online. Zunächst nimmt davon kaum jemand Notiz. Der große Knall kommt im Januar, Medien berichten bundesweit.

    Die Ermittler nehmen seine Spur auf. Der Schüler versucht noch, Daten zu vernichten. Kurz darauf wird er festgenommen. Bei seiner Vernehmung sagte er laut Bundeskriminalamt (BKA), er habe Menschen „bloßstellen” wollen, über deren öffentliche Äußerungen er sich geärgert habe.

    Mittlerweile werden ihm weitere Straftaten zur Last gelegt. Er soll auch sechs Abgeordneten des Deutschen Bundestages erpresst haben, indem er anbot, auf die Veröffentlichung der Daten gegen Bitcoins im Wert von 900 Euro zu verzichten. In drei Fällen soll er außerdem per Email angeblich bevorstehende Bombenanschläge und Amokläufe vorgetäuscht sowie in zwei Fällen durch falsche Verdächtigungen Ermittlungen gegen andere Person initiiert haben.

    Laut dem Amtsgericht Alsfeld will der Angeklagte keinen Kontakt zur Presse und wird sich dementsprechend vermutlich am Prozesstag nicht öffentlich äußern. Eine Fortsetzung der Verhandlung ist für den 30. September terminiert. Über den Ausgang des Verfahrens will das Amtsgericht informieren.

    ai/dpa

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    Tags:
    Prozess, Gericht, Hackerangriff, Deutschland