15:48 30 Oktober 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    Von
    3826018
    Abonnieren

    Schülerinnen und Schüler in Sachsen dürfen laut dem Dresdner Kultusministerium „nur am Schwimmunterricht an Schulen teilnehmen, wenn sie der deutschen Sprache mächtig sind“. Das berichtet der MDR aktuell. Integrationsverbände üben Kritik. Sputnik hat nachgefragt, was es damit auf sich hat und wie das andere ostdeutsche Bundesländer handhaben.

    Dass der Schwimmunterricht für Schülerinnen und Schüler zu einem Politikum und Aufreger-Thema werden kann, kommt relativ selten vor. Momentan schlagen diesbezüglich Meldungen aus Sachsen jedoch hohe Wellen.

    Denn in dem ostdeutschen Bundesland „dürfen Kinder ohne Deutschkenntnisse nicht am Schwimmunterricht teilnehmen“, meldete der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) vor wenigen Tagen. „In Görlitz hatte sich die Mutter eines Mädchens über diese Regelung beschwert. Das Kind darf wegen mangelnder Deutschkenntnisse nicht am Schwimmunterricht teilnehmen.“

    „Wer kein Deutsch versteht, bleibt außen vor“ – Ministerium in Sachsen

    Das sächsische Kultusministerium verwies dabei „auf Regeln für den Unterricht in Vorbereitungsklassen“. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, die Kinder müssten den Anweisungen des Schwimmlehrers folgen können. Wer von den Schülern kaum Deutsch verstehe, laufe somit Gefahr, im Wasser Schaden zu nehmen, schlimmstenfalls zu ertrinken.

    Kinder in Sachsen, die „kein oder kaum Deutsch sprechen“, dürfen somit nicht am schulischen Schwimmunterricht teilnehmen.

    „Dagegen lässt (das Nachbarland, Anm. d. Red.) Sachsen-Anhalt alle Schüler mitschwimmen, egal wie gut sie Deutsch können. Die Verständigung funktioniert laut Bildungsministerium „mit Hilfe von Sichtkarten“. Diese habe die Universität in Leipzig – also eine sächsische Hochschule – zuvor in einem Projekt erstellt.

    Sachsen-Anhalt: „Wir setzen auf Handkarten beim Schwimmunterricht“

    Daraufhin hat Sputnik bei den Landesregierungen von Sachsen und Sachsen-Anhalt zu der Thematik nachgefragt.

    „Das in Rede stehende Handkarten-Set für Schwimmlehrkräfte beruht auf Empfehlungen der Ständigen Konferenz der Kultusminister (KMK) der Länder“, erklärte Michael Schulz, Pressesprecher und Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Magdeburger Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, gegenüber Sputnik am Freitag. Gemeint sei damit der „Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 4. Mai 2017“.

    Dieser „ist Teil des Fundaments für die Umsetzung in der täglichen Schulschwimmpraxis. Bereits 2017 haben die KMK, die 'Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft' und der 'Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung' Empfehlungen zum Schwimmunterricht in der Schule beschlossen.“

    Verbände kritisieren Sachsens Politik für Schwimm-Regelung

    Demnach zeigen Schwimmlehrer an Schulen in Sachsen-Anhalt im Schwimmunterricht diese sogenannten Sicht- oder Handkarten, die über Bilder mit Schülerinnen und Schüler kommunizieren – auch wenn diese kein Deutsch verstehen. Diese Karten würden seit etwa drei Jahren eingesetzt.

    Zurück nach Sachsen. Hier kritisieren Ausländerräte und Migrationsverbände laut MDR die sächsische Landesregierung. Integrationsverbände sprechen von Diskriminierung.

    Diese Regelung an sächsischen Schulen sei ein „vorgeschobener Grund“, äußerte Eter Hachmann, Vorsitzende des „Ausländerrats Dresden“. Die Kinder, vor allem Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, würden so früh „stigmatisiert und in eine Schublade gesteckt“, kritisierte sie.

    Auch Vertreter der „Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft“ (DLRG) äußerten Bedenken. Eine gemeinsame Sprache im Schwimmunterricht sei „erstrebenswert, aber keine Grundvoraussetzung“, sagte ein DLRG-Schwimmlehrer.

    So regelt Thüringen diesen Unterricht

    Dem Bericht zufolge dürfen auch Kinder an Schulen in Thüringen „ohne Deutschkenntnisse“ am Schwimmunterricht teilnehmen. Laut einer Sprecherin des thüringischen Bildungsministeriums würden diese Schülerinnen und Schüler „zurückgestellt, bis die wichtigsten Kommandos verstanden werden“.

    An sächsischen Schulen lernen Kinder „ohne Deutschkenntnisse in Vorbereitungsklassen Deutsch“. Sprich: Erst wenn das Kind Deutsch sprechen und verstehen könne, werde es zum Schwimmunterricht zugelassen. In der Schwimmhalle „sei es laut. Das Wasser mache Geräusche, aber auch die Kinder. Gerade hier sei es zwingend Voraussetzung, dass Kinder dann auch den Anweisungen des Schwimmlehrers Folge leisten können. Und dafür sind gewisse Deutschkenntnisse eben Voraussetzung.“ So begründet das sächsische Staatsministerium für Kultus in Dresden die Regelung.

    Eine Sputnik-Anfrage an das sächsische Kultusministerium blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Schweres Erdbeben erschüttert die Türkei und Griechenland – Videos
    Das müssen Putin und Merkel wissen – Gysi über Verhältnis zu Russland und Berlin als Hauptvermittler
    Tödliche Messerattacke in Nizza: Das fanden Ermittler am Tatort
    Tags:
    Deutsch, Schulen, Schwimmen, Sachsen-Anhalt, Sachsen