04:42 29 Oktober 2020
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    Die geologischen Bedingungen in Deutschland sind günstig für ein Atommüll-Endlager: Insgesamt 90 Gebiete haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen, der zu einem Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung geworden war, ist jedoch komplett aus dem Rennen.

    Geologische Mängel haben den Salzstock Gorleben aus dem bundesweiten Suchverfahren für ein Atomendlager ausgeschlossen, wie aus dem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht Teilgebiete hervorgeht.

    „Gorleben ist nicht der bestmögliche Standort“, sagte Steffen Kanitz, Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Montag in Berlin. Unter anderem weise der Salzstock ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch die Gewässerchemie spreche gegen den Standort.

    Er betonte auf Nachfrage, dass die Entscheidung rein wissenschaftlich erfolgt sei, es habe keinen politischen Druck gegeben. Gorleben habe bei der ersten Prüfung der Geologie die Hürde genommen, weise aber keine „günstige Gesamtsituation“ auf. Davon unabhängig erlaube die Geologie in Deutschland aber in jedem Fall den Bau eines Endlagers für hoch radioaktiven Atommüll.

    Günstige Geologie in 90 Regionen

    „Die Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass sich ein Standort wird ermitteln lassen“, sagte Stefan Studt, BGE-Geschäftsführer. Mit Blick auf den zuvor vorgelegten ersten Teilbericht zur Endlagersuche seien die nun ausgewählten Regionen aber „noch lange kein Endlagerstandort“.

    Auf der Liste möglicher Standorte sind erstmals bayerische Regionen. Den Bericht mit Regionen, die nach geologischen Kriterien für ein Atommüll-Endlager grundsätzlich in Frage kommen, stellt die Bundesgesellschaft für Endlagerung heute in Berlin vor.

    Der Bericht definiert 90 Gebiete in Deutschland, die nach Erkenntnissen der BGE günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager vorweisen. Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Gebiete, ist laut Bericht in Deutschland ein Anteil von 54 Prozent der Landesfläche als Teilgebiet ausgewiesen. Teilgebiete liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern.

    Keine Vorentscheidung - Debatte soll wieder in Fahrt kommen

    Eine Vorfestlegung ist mit dem Zwischenbericht allerdings nicht verbunden, berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk. In den kommenden Monaten und Jahren sollen die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt werden, indem weitere Kriterien wie die Bevölkerungsdichte berücksichtigt werden.

    Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung wieder in Fahrt kommen, vor allem in den Gebieten, die näher unter die Lupe genommen werden. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder kristallinem Gestein, also vor allem Granit, entstehen. Im Jahr 2031 soll ein Standort gefunden sein und ab 2050 strahlenden Müll aufnehmen.

    Die bayerische Landesregierung hatte zuvor Ärger auf sich gezogen, weil sie den Prozess der Endlager-Suche anzweifelte und darauf pochte, dass der Untergrund in Bayern nicht geeignet sei. Beides stellt das Prinzip der „weißen Landkarte“ in Frage, die erst nach und nach anhand messbarerer Kriterien eingegrenzt wird, berichtet ARD.

    Auf diesem Prinzip beharren unter anderem die Grünen. „Jetzt ist erst einmal die Wissenschaft am Zuge und die sollte man auch in Ruhe machen lassen", sagte Bundestags-Fraktionsvize Oliver Krischer laut ARD. Im Fall Gorleben habe es in erster Linie eine politische Entscheidung gegeben. In den 1970er-Jahren war beschlossen worden, dort ein Endlager einzurichten. Deswegen habe „ein Landstrich fast komplett rebelliert“.

    leo/dpa/ae

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    Tags:
    Bericht, Geologie, Voraussetzung, Regionen, Endlagerung, Atommüll, Deutschland