05:59 27 Oktober 2020
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    Der eventuelle Retter von Nord Stream 2, der russische Rohrverleger „Akademik Cherskiy“, bewegt sich seit Montagabend in Richtung Kaliningrad, wo er am 7. Oktober anlegen soll. Das geht aus Angaben der Navigationsportale Marine Traffic und Myshiptracking hervor. Parallel sind am Wochenende drei russische Versorgungsschiffe in Mukran eingelaufen.

    Am 2. Oktober war die „Akademik Cherskiy“ nach mehreren Monaten ununterbrochener Standzeit aus dem deutschen Hafen Mukran auf Rügen ausgelaufen, wo sich das logistische Terminal des Bauprojektes Nord Stream 2 befindet bzw. die Röhren für die restlichen 160 Kilometer Pipeline lagern. Es wurde einerseits vermutet, dass sich das Schiff auf Testfahrt begeben hat. Andererseits gaben die Monitoring-Quellen zuvor an, dass das Schiff erst am 8. Mai 2021 in den Hafen zurückkehren solle.

    Wie lange das Schiff in Kaliningrad bleiben wird, ist bisher unklar. Wie das russische Fachportal Neftegaz (Russisch für: Öl-Gas) berichtet, ist die Wahl von Kaliningrad nicht zufällig gewesen. So wie das Schiff zuvor auf seinem langen Weg vom Hafen Nachodka im Fernen Osten bis in die Ostsee den Suezkanal und die Straße von Gibraltar vermieden hatte, sollen auch die Testfahrten in der Nähe der russischen Küste sicherer sein.

    Kaliningrad hatte die „Akademik“ auch im Mai als erstes angesteuert, als sie die Ostsee erreicht hatte. Nach fünf Tagen Ankerzeit hatte das Schiff damals dann Kurs auf den Hafen Mukran genommen, wo es fünf Monate lang modernisiert wurde. Es wurden auf dem Schiff laut Neftegaz ein neues 8-Anker-Positionierungssystem mit unabhängigen Stromerzeugern für die Winden bzw. ein neues Navigationssystem und Schweißstationen eingebaut. Drei russische Versorgungsschiffe warten auf die „Akademik“ bereits im Hafen von Kaliningrad, wie ebenfalls aus den Angaben der Navigationsportale folgt: „Ivan Sidorenko“, das die Bauarbeiten in Mukran bereits im September kurz unterstützte, und der „Gazprom“-eigene Eisbrecher „Vladislav Strizhov“, der sich am 2. Oktober noch in Mukran befand. Das dritte Versorgungsschiff, „Ostap Sheremeta“, war zusammen mit der „Vladislav Strizhov“ im Juli in Kaliningrad aus Wladiwostok eingetroffen und hat den Hafen seither nicht verlassen.

    Weitere russische Schiffe in Mukran eingetroffen

    Am vergangenen Wochenende hat der Sassnitzer Hafen drei weitere Versorgungsschiffe aus Russland empfangen. Auf den Karten von Marine Traffic und Myshiptracking kann man die Schiffe „Finval“ und „Errie“ vor Ort sehen. Die „Finval“ wurde im Sommer von „Gazprombank Leasing“ an die russische Firma „Morspasssluzhba“ (Russisch für: Marine Rettungs Service) ausgeliehen. Die „Errie“ dagegen hatte mit der „Akademik“ bereits im Mai in Kaliningrad Kontakt. Das Schiff unterliegt dem international üblichen sogenannten Bareboat- oder Untergangscharter (worunter das Chartern eines Schiffes ohne Besatzung zu verstehen ist) bei einem Unternehmen in Südsachalin, gehört aber der singapurischen Firma „Intan OSV Ptr Ltd“. Ein weiteres Schiff – „Umka“ –, benannt nach dem Eisbärchen aus dem bekannten sowjetischen Zeichentrickfilm, ist am Sonntag ebenfalls in Mukran eingetroffen. Es gehört „Morspasssluzhba“ und hat an den Bauarbeiten an Nord Stream 2 bereits vor den ersten US-Sanktionen teilgenommen.

    Die „Akademik Tscherski“ selbst hatte zuvor der Tochterfirma „Gazprom Flotte“ gehört. Nach im Juni öffentlich gewordenen Informationen gehört das Schiff aber seit einer Weile dem Wärmekraft-Eigentumsfonds Samara (Samara Thermal Energy Property Fund, STIF), das indirekt mit „Gazprom“ verbunden ist. Seit Februar bis Mai war das Schiff von Nachodka in die Ostsee unterwegs, wobei es die Zielhäfen mehrmals gewechselt und das automatische Identifikationssystem (AIS) ausgeschaltet hatte. Diese Taktik wird häufig von iranischen Tankern angewendet, die trotz US-Sanktionen erfolgreich Gaskondensat an Venezuela liefern.

    Wie geht es weiter für Nord Stream 2?

    Mit dem Fall Nawalny ist das russisch-deutsche Projekt nach den US-Sanktionsdrohungen zusätzlich unter Druck geraten. Ungeachtet dessen scheint es für den Betreiber noch einen Spielraum zu geben.

    Wie Sputnik zuvor berichtete, hatte Dänemark dem Betreiber der Gaspipeline, der Nord Stream 2 AG, eine Genehmigung zum Betrieb der heftig angefeindeten Gaspipeline erteilt. Die Nord Stream 2 AG könne Nord Stream 2 nutzen, wenn sie ihre Verpflichtungen für den sicheren Betrieb der Pipeline erfüllen werde. Insbesondere müsse mindestens einer der Gasleitungsstränge den erforderlichen Tests und Inspektionen unterzogen werden. Hiermit hat „Gazprom“ quasi keine förmlichen Hindernisse, um das Projekt fertigzubauen. Es sei ein Wettlauf zwischen dem langsamen Verlegen von Röhren und einem langsamen Sanktionsgesetzgebungsprozess, kommentierte der leitende Direktor der US-Beratungsfirma ClearView Energy Partners, Kevin Book, Anfang August gegenüber dem US-Magazin "Foreign Policy". Seiner Meinung nach könnte der russische Rohrverleger im Alleingang in etwa 110 Tagen die restlichen 160 Kilometer der Gaspipeline in dänischen und deutschen Gewässern fertigstellen, wobei das Gesetz über das Verteidigungsbudget, dessen Entwurf die Ausweitung der Sanktionen gegen Nord Stream 2 beinhaltet, kaum vor Dezember unterzeichnet werde.

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    Tags:
    Alexej Nawalny, US-Sanktionen, Rohrleger "Akademik Cherskiy", Nord Stream 2