08:41 27 Oktober 2020
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    Die Stoffe, die von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in den Proben des russischen Bloggers Alexej Nawalny gefunden worden sind, sind selbst laut einem der Entwickler des Nervengifts „Nowitschok“, Leonid Rink, keine giftigen Kampfstoffe und können unter anderem in Haushaltschemie enthalten sein.

    Das Wort „Vergiftung“ passt aus Rinks Sicht in dem Kontext nicht. Wenn es ein Fragment gegeben habe, sei es wenig toxisch gewesen, „deswegen konnte man sich damit nicht vergiften.“ Nur wenn man eine halbe Flasche oder einen Eimer trinke, so Rink.

    „Das Wort ,Giftstoffʻ passt schon nicht, weil es in der Klassifizierung von Giftstoffen fehlt“, so Rink in einem Interview mit dem Generaldirektor der russischen Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“, Dmitri Kisseljow.

    „Die Fragmente, die sie gefunden haben, passen zu keinem registrierten Giftstoff. Sie haben also einen Bestandteil entdeckt, der von jeglichem Wasch-, oder Putzmittel, oder von einem gegossenen Amin herrühren kann (…). Nicht von einem Amin, sondern einem Amid, wie sie behaupten“, erläuterte er.

    „Irgendein Amid. Giftstoffe im Bereich der Amide sind nicht effektiv. Das sage ich als Person, die ziemlich lange in diesem Bereich gearbeitet hat… Das ist absolut nicht toxisch.“

    Rink betonte, es sei unmöglich, festzustellen, welches Fragment bei der OPCW gefunden wurde, weil die Organisation das nicht mitteile.

    „Darüber hinaus kann es bei der Einnahme von Medikamenten oder beim Genuss von Alkohol mit Gerbstoffen entstehen.“

    Keine Beweise

    Ferner gab Rink zu bedenken, dass seine ehemaligen Kollegen aus Eigennutz grundlose Erklärungen machen würden, wonach „Nowitschok“ mit der angeblichen Vergiftung von Nawalny verbunden sei.

    „Wenn es Versionen gibt, müssen auch Beweise vorhanden sein. Wir sind alle gebildete Menschen. Wenn man irgendwelche Versionen darlegt, muss bei jeder auch ein Satz mit den Belegen angeführt werden. Dann kannst du wählen und sagen, ob es mehr oder weniger der Wahrheit entspricht. Aber wenn es keine Beweise für die Vergiftungstheorie gibt, und bekannte russische Menschen – Mirsojanow und Uglew (ehemalige Kollegen von Rink, die die Version einer Vergiftung von Nawalny unterstützen – Anm. d. Red.), also bezahlte Menschen, nur so reden müssen, dann werden sie reden und bis zu ihrem Tode behaupten, dass es von Putin und seinen nahen Anhängern die Weisung gegeben hat, etwas in die Galoschen zu gießen.“

    OPCW-Erklärung zum Fall Nawalny

    Die OPCW hatte am Dienstag verkünden lassen, im Körper des russischen Bloggers sei eine Substanz entdeckt worden, die ähnliche Eigenschaften wie der Giftstoff „Nowitschok“ aufweise. Die Substanz sei jedoch nicht in die Liste der verbotenen Chemikalien aufgenommen worden.

    Die deutsche Regierung ist der Meinung, dass die Erklärung der OPCW bestätigt, dass Nawalny mit Hilfe einer Substanz der „Nowitschok“-Gruppe vergiftet worden sei, räumt aber ein, dass es sich dabei nicht um eine verbotene Substanz handele.

    Nach Ansicht des russischen Außenministeriums wirkt die Geschichte um Nawalny nun „wie ein vorher geplantes konspiratives Szenario“.

    Fall Nawalny

    Der oppositionelle Blogger Alexej Nawalny wurde am 20. August in ein Krankenhaus im sibirischen Omsk gebracht, nachdem er in einem Flugzeug nach Moskau ohnmächtig geworden war. Örtliche Ärzte diagnostizierten bei Nawalny schwere Stoffwechselstörungen, deren Ursache unklar war. Giftspuren wurden weder im Blut noch im Urin nachgewiesen.

    Auf Drängen seiner Familie wurde Nawalny zur weiteren Behandlung in die Berliner Klinik Charité geflogen. Nach Angaben der Klinik wurde der Blogger am 22. September aus der stationären Behandlung entlassen. Sein Zustand sei zufriedenstellend, hieß es bei der Charité.

    Die Bundesregierung teilte unter Berufung auf Bundeswehr-Mediziner mit, dass bei Nawalny Spuren eines Nervengifts aus der „Nowitschok“-Gruppe festgestellt worden seien. Beweise wurden bislang nicht vorgelegt. Berlin zufolge wurden die Schlussfolgerungen deutscher Experten in Labors in Schweden und Frankreich bestätigt. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen führe auf Berlins Anfrage eigene Ermittlungen durch, hieß es.

    Der Kreml gab bekannt, Berlin habe Moskau nicht über seine Erkenntnisse informiert. Das russische Außenministerium betonte, Russland warte auf eine Antwort Deutschlands auf eine offizielle Anfrage zu der Situation.

    ak/sna/ae

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    Tags:
    Proben, Fund, Stoff, Alexej Nawalny, Nervengift Nowitschok, OPCW, Russland