05:57 27 Oktober 2020
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    Zum Dritten Weltkrieg kam es Gott sei Dank nicht, aber zur Rechtfertigung für einen Kriegsausbruch hätte der Vorfall allemal getaugt: Am 8. Oktober 1950 drang die amerikanische Luftwaffe in den sowjetischen Luftraum ein und beschoss einen Fliegerhorst in Russlands Fernem Osten.

    Dass gut ausgebildete Kampfpiloten aufgrund eines Navigationsfehlers einen sowjetischen mit einem koreanischen Flugplatz verwechseln, würde heute kaum einer glauben. Auch im Oktober 1950 klang diese Version der US-Regierung unglaubwürdig.

    „An einen Fehler glaube ich nicht, es war eine lupenreine Provokation“, sagt Oberst Sabelin, Veteran der sowjetischen Luftstreitkräfte aus dem Koreakrieg, im Gespräch mit dem Portal „airforce.ru“. „Die Amerikaner wussten genau, wohin sie fliegen. Es waren 100 Kilometer ab unserer Grenze zu Korea. Sie wussten es genau. Diese Geschichte, dass junge Piloten sich verirrt hätten, ist eine reine Erfindung.“

    Im Oktober 1950 war der Koreakrieg seit über drei Monaten im Gange. Am 8. Oktober tauchten zwei amerikanische Lockheed F-80C „Shooting Star“ im sowjetischen Luftraum unweit von Wladiwostok auf. Was danach geschah, konnte aus den Aussagen der Piloten rekonstruiert werden. Die Funknavigation sei ausgefallen, man habe die Berechnungen anhand der Windrichtung und -stärke erstellen müssen.

    Demnach erfolgte der Einsatzflug zunächst über den Wolken. Als die beiden Maschinen unter die Wolken gesunken waren, erkannten die Piloten eine Straße, der sie bis zum Flugplatz folgten. Auf dem Flugfeld sahen sie an die 20 tarngrüne Maschinen mit roten Sternen an den Tragflächen. Ohne lange zu überlegen, setzten die amerikanischen Piloten mehrere Schüsse auf das Flugfeld ab, drehten um und verschwanden.

    Was geschah auf dem sowjetischen Flugplatz in dem Augenblick? Der Kommandant war aufgrund einer Übung nicht anwesend, sein Stellvertreter verabsäumte es, Abfangjäger zu alarmieren. Sieben sowjetische Flugzeuge wurden zerstört, eines davon ist vollständig ausgebrannt. Es handelte sich um Abfangjäger amerikanischen Typs: um Bell P-63 „Kingcobra“, die noch im Zweiten Weltkrieg im Lend-Lease-Programm an die UdSSR geleifert worden waren. Von den Mannschaften auf dem Flugplatz wurde niemand verletzt.

    „Der offizielle Bericht passt nicht zu dem, was ich beobachtet habe“, sagt allerdings Oberst Sabelin. „Es heißt, sechs Maschinen wurden stark beschädigt, eine ist ausgebrannt. Tatsächlich aber müssen an die zwanzig Flugzeuge beschädigt worden sein. Das Geschwader muss aus insgesamt vierzig Maschinen bestanden haben. Dann heißt es in offiziellen Dokumenten, die Amerikaner hätten einmal geschossen und seien dann umgedreht. Aber sie flogen noch eine zweite Angriffsrunde. Und es waren ja amerikanische Flugzeuge am Boden, sie beschossen Flugzeuge aus eigener Fertigung.“

    Die amerikanischen Piloten erklärten nach ihrer Rückkehr, sie seien sich absolut sicher gewesen, den koreanischen Flugplatz Chongjin angegriffen zu haben. Die roten Sterne an den Tragflächen hätten sie mit koreanischen Erkennungszeichen verwechselt. Nur einmal hätten sie sich gewundert, sagten die US-Piloten. Nämlich, als sie auf dem Rückweg eine Insel erkannten, die es in der Nähe von Chongjin nicht gegeben haben kann.

    Am Tag nach dem Vorfall sprach der sowjetische Außenminister Gromyko in der Uno seinen Protest aus. Erst elf Tage später reagierten die Amerikaner darauf mit Entschuldigungen und Zusagen, den entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Gegen die beiden Piloten wurden Disziplinarverfahren eingeleitet wie übrigens auch auf sowjetischer Seite gegen den Kommandanten des sowjetischen Fliegerhorsts und seinen Stellvertreter.

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    Tags:
    Fernost, Luftangriff, UdSSR, Sowjetunion, USAF, USA, Nordkorea, Koreakrieg