21:26 23 November 2020
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    Mit einer kostenlosen Werbung in einer HBO-Show, die auf den phantasievollen Memoiren des entlassenen FBI-Direktors James Comey basiert, hat Sputnik nicht gerechnet. Der Fernsehsender hat sich nicht einmal die Mühe gegeben, die Fakten zu überprüfen oder zumindest das Nachrichtenportal zu kontaktieren, bevor er es in das Drehbuch aufgenommen hat.

    Einige können von solch einem Ruhm nur träumen, andere arbeiten ihr ganzes Leben lang hart, um einen Weg ins Showbusiness zu finden. Doch das Nachrichtenportal Sputnik hat seine Sternstunde durch Zufall dank einer HBO-Miniserie erlebt.

    Denn Sputnik wird in einer Szene aus der HBO-Verfilmung von James Comeys Memoiren „Größer als das Amt: Auf der Suche nach der Wahrheit – der Ex-FBI-Direktor klagt an“ aus dem Jahr 2018 erwähnt. Die Szene zeigt, wie der damalige FBI-Direktor und seine Mitarbeiter die Vorwürfe einer angeblichen geheimen Absprache Trumps mit Moskau mit Schaum vor dem Mund vorbringen. Vorwürfe, von denen sich ein Großteil seitdem als falsch herausgestellt hat.

    Comey wird von Jeff  Daniels, dem Star von „Dumm und Dümmer“, gespielt. Die Serie wiederholt eine Behauptung, die sich bereits vier Jahre zuvor als falsch entpuppt hatte, und zwar, dass Trump von Sputnik Geheiminformationen aus der Wahlkampagne seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton erhalten habe.

    „Wir sehen mehr und mehr Propaganda über Außenministerin Clinton von Sputnik-Radio und Russia Today, die wortwörtlich in Wahlreden von Donald Trump auftaucht“, sagt einer von Comeys Kollegen. „Ich weiß nicht, ob es koordiniert ist, aber ...“

    Sputnik-Mitarbeiter waren über den plötzlichen Ruhm äußerst erstaunt, vor allem weil HBO nicht versucht hatte, die Büros der Nachrichtenagentur in Washington, Edinburgh oder Moskau zu kontaktieren. Und anscheinend haben weder der TV-Sender noch Comey sich die Mühe gegeben, bei Google nach den vielen Berichten zu suchen, die Kurt Eichenwalds „sensationelle Erfindungen“ enthüllen.

    Die ganze Geschichte hatte am 10. Oktober 2016 begonnen, als der ehemalige Sputnik-Redakteur Bill Moran Auszüge aus E-Mails von Hillary Clinton nahe stehenden Personen im Netz entdeckt hatte. Unter Verlass auf die Glaubwürdigkeit einer Twitter-Meldung zitierte Moran in einem Sputnik-Beitrag einen Brief von Clintons engem Berater, Sidney Blumenthal, der sie für den Tod von Amerikanern bei einem Terroranschlag im libyschen Bengasi verantwortlich gemacht haben soll. Etwas später erkannte der Redakteur seinen Fehler, denn es ging nicht um Worte von Blumenthal, sondern um einen Beitrag Eichenwalds, den Blumenthal wiedergab. Trump zitierte die besagte Twitter-Meldung später bei einer Wahlkundgebung. Eichenwald schloss daraus, dass Sputnik und Trump ihr Handeln abstimmen und sogar gleichzeitig Anweisungen aus dem Kreml erhalten würden.

    Aus einem einfachen Fehler wurde eine vermeintliche Verschwörung zwischen „den Russen“ und Trump. Damit hat Eichenwald Clinton, Blumenthal, sowie auch sich selbst beschmutzt.

    „Das sollte nicht nur Bedenken in Bezug auf Moskaus Versuch, die Wahlen zu manipulieren, wecken, sondern auch in Bezug darauf, wie Trump dazu kam, die russische Desinformation an die amerikanischen Wähler weiterzuleiten“, sagte Eichenwald.

    Doch dieses Narrativ, genau wie der Rest der „Russiagate“- Hysterie, war schnell wieder auseinandergefallen. Selbst die liberale Zeitung „Washington Post“ bezeichnete dies als „Unsinn“.

    Newsweek zog die Geschichte unter Androhung rechtlicher Schritte von Wikileaks und Sputnik zurück, und Eichenwald wurde anscheinend gefeuert. Als eine Art „Abschiedsschuss” äußerte der beschämte Journalist seine Freude darüber, dass der Gründer von WikiLeaks, Julian Assange, wohl für den Rest seines Lebens ins Gefängnis müsste. Dabei stellte er weitere verleumderische Behauptungen auf, wonach der Australier ein russischer Agent, ein Vergewaltiger und ein Kinderschänder sei.

    Eichenwald war seit langem „von Trump besessen“ gewesen.  Er wurde dabei erwischt, gefälschte Nachrichten über den Präsidenten zu veröffentlichen, der während seines Wahlkampfs 2016 vermeintlich in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden sei. 

    Die Veröffentlichung von Comeys Memoire folgte auf seine Entlassung durch Trump im Jahr 2017 wegen seines absurden Umgangs mit dem Fall von Clintons E-Mails sowie mit dem „Russiagate“-Skandal. Trump bezeichnete Comey als „Angeber“ und „Wichtigtuer“.

    Das Buch ist von seinem schwülstigen Stil und den dramatischen Ausschmückungen bei der Beschreibung von Comeys Treffen mit Trump gekennzeichnet. Es wurde jedoch in den Mainstream-Medien ausführlich behandelt

    James Tweedie

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    Tags:
    James Comey, Kurt Eichenwald, Donald Trump, Sputnik