20:23 24 November 2020
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    Ein Kamera-Team des russischen TV-Senders Perwyj Kanal ist nach eigenen Angaben in der US-Stadt Philadelphia angegriffen worden. Die Polizei konnte den Betroffenen offenbar kaum helfen.

    Wie der Korrespondent Georgi Olissaschwili gegenüber Sputnik mitteilte, filmten der Kameramann Maxim Katajew und er, wie Geschäfte geplündert wurden. Als sich die Lage zuspitzte, hätten die Journalisten versucht, den Ort zu verlassen:

    „Wir drehten uns um, um zu gehen, und zu diesem Zeitpunkt tauchten sehr aggressive Typen auf. Wir eilten zu unserem Auto, weil uns klar war, dass ihre Interessen offensichtlich waren“, so Olissaschwili.

    Die Journalisten seien ins Auto gestiegen, hätten allerdings keine Zeit mehr gehabt, um das Türschloss zu blockieren. Die Verfolger hätten die Türen geöffnet:

    „Von meiner Seite aus konnte ich (den Angreifer – Anm. d. Red.) wegstoßen und als ich mich umdrehte, war Max bereits die Kamera entrissen worden. Sie begannen, vom Beifahrersitz aus schräg ins Auto zu klettern. Dort hatten wir eine Tasche mit Ausrüstung. Ich versuchte, den Mann heraus zu drängen, der nach der Tasche greifen wollte. Und zu diesem Zeitpunkt gelangte eine andere Person von der Fahrerseite aus hinein und schnappte sich das Telefon“, schilderte der Reporter.

    Danach habe sich der Kameramann in die Menschenmenge gestürzt, um die Kamera zurückzuholen. Dies sei „nicht wirklich vernünftig“ gewesen, gab Olissaschwili zu:

    „Es gab noch viel mehr von ihnen, sie konnten alles Mögliche tun. Alles passierte sehr schnell. Ich schrie ihm zu: ‚Lass uns ins Auto steigen.‘ Er wurde sechsmal im Kopf- und Halsbereich geschlagen. Er hat ein schweres Hämatom an seiner Schläfe, ich glaube, das hat die Gehirnerschütterung sowie die Beulen auf dem Kopf und Hals verursacht“, sagte er. Bei dem Kameramann sei eine leichte Gehirnerschütterung diagnostiziert worden.

    „Es ist zu gefährlich dort“

    Die Journalisten hätten eine Polizeistreife angehalten und den Vorfall gemeldet. Aber die Polizeibeamten hätten sich geweigert, zum Tatort zu fahren und lediglich empfohlen, den Notruf 911 zu wählen.

    „Wir wollten in Begleitung der Polizei zurückkehren, weil diese Typen offenbar noch da waren. Ich sagte: ‚Wir sind gerade zwei Blocks entfernt beraubt worden‘. Sie sagten: ‚Nein, nein, nein, nein. Wir fahren fort.‘ Es war ein gewöhnlicher Streifenwagen, der für das Gebiet verantwortlich war“, schilderte der Korrespondent.

    Olissaschwili habe den Notruf gewählt und eine halbe Stunde später sei eine weitere Patrouille eingetroffen: „Sie sagten offen, es gebe keine Chance“.

    Die Polizisten hätten vorgeschlagen, die Reporter zur Polizeistation zu begleiten, damit sie eine Aussage machen und ein Strafverfahren eingeleitet werden könne. „Als ich sie aber erneut bat, zu dem Ort zu fahren, sagten sie: ‚Nein, das ist zu gefährlich dort‘“, so Olissaschwili weiter.

    Und selbst als die russischen Journalisten an einer Polizeistation eintrafen, mussten sie lange auf den Kriminalpolizisten warten.

    „Als sie dort herausfanden, dass wir keine Geschäftsinhaber und keine Besitzer von ausgeraubten Geschäften sind, verloren sie gänzlich das Interesse an uns. Wir wurden hauptsächlich telefonisch befragt, als wir auf dem Weg nach New York waren“.

    Straßenproteste in Philadelphia

    Nach dem Tod des Afroamerikaners Walter Wallace bei einem Polizeieinsatz am Montagabend (Ortszeit) in Philadelphia (US-Bundesstaat Pennsylvania) war es in der Großstadt zu Unruhen gekommen.

    Der 27-Jährige soll ein Messer getragen und sich zwei Polizeibeamten genähert haben. Die Polizisten hätten ihn aufgefordert, sein Messer wegzulegen, Wallace habe die Forderungen aber ignoriert. Die Beamten hätten mehrmals auf ihn geschossen. Später sei der Mann für tot erklärt worden.

    Nach Informationen seiner Familie kämpfte Wallace mit psychischen Problemen.

    Die Polizeichefin von Philadelphia, Danielle Outlaw, äußerte, das Video von dem Vorfall habe „mehrere Fragen“ aufgeworfen und versprach, eine Ermittlung einzuleiten.

    asch/sna/ae

     

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