04:13 25 November 2020
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    Die Verleihung des Negativpreises „Goldener Aluhut“ wurde in diesem Jahr bereits im Vorfeld von heftigen Turbulenzen begleitet. Im Fokus stehen diesmal nicht die Preisträger, sondern die, die es gern geworden wären und die Preise nun sogar juristisch einklagen. Einen Tag vor der Verleihung sprach Sputnik mit der Gründerin des „Goldenen Aluhuts“.

    Das Jahr 2020 hat unter Corona-Bedingungen viele Einschränkungen und Konflikte gebracht, aber auch so manche Kuriosität. Als eben solche könnte man den Kampf der Querdenken-Bewegung um den Negativpreis „Goldener Aluhut“ bezeichnen. Nach Serverattacken und Hasskommentaren im Netz, deren Urheber noch nicht feststehen, hatte Giulia Silberberger, Gründerin des „Goldenen Aluhut“, die in allen Kategorien vorn platzierten Vertreter der Querdenken-Bewegung aus dem Rennen genommen und die jeweils Zweitplatzierten kurzerhand zu Siegern erklärt. Was folgte, waren Empörung, Todesdrohungen und schließlich eine Klage der Querdenker auf Herausgabe des Preises. Die angekündigte Demonstration, die die Querdenken-Bewegung vor dem Ort der Preisverleihung – dem Heimathafen Neukölln – abhalten wollte, wurde einen Tag vor der Veranstaltung abgesagt. Zur Begründung hieß es in der entsprechenden Pressemitteilung:

    „Bei der Versammlung am 11.10.2020 wurde dem Versammlungsleiter Stefan Brackmann von der Polizei der Arm gebrochen. Die Versammlung am 25.10.2020 war durch viele Verhaftungen und ein unverhältnismäßiges Vorgehen der Polizei Berlin geprägt. Da die Polizei Berlin nicht bereit oder nicht in der Lage ist, Versammlungen zu schützen, haben wir uns schweren Herzens entschieden, die Versammlung am 30.10.2020 abzusagen.“

    Bedrohungslage für den "Goldenen Aluhut" 2020

    Die Bedrohungslage bleibe trotzdem, so Giulia Silberberger. Sie erklärt, warum:

    „Der Staatsschutz ermittelt gerade, um zu prüfen, ob die Angriffe auf unseren Server politisch motiviert waren. Ich hatte Herrn Ballweg, Herrn Schiffmann oder Herrn Eckert auch nie eine persönliche Teilhabe an diesen Angriffen unterstellt. Aber es ist die Dynamik des stochastischen Terrorismus, die wir sehen. Die Radikalisierung der Verschwörungsszene. Dass sich Personen motiviert fühlen, die angeprangerten Zustände mit der Waffe zu ändern oder einen Server anzugreifen oder Brandanschläge auf das RKI zu verüben.“

    Auch wenn sich die Bewegungsleiter von der Gewalt distanzierten, könnten sie niemandem verbieten, sich vom Grundgedanken der Bewegung motiviert zu fühlen, Gewalt auszuüben. Sie selbst lasse sich nicht durch die Todesdrohungen, die sie erhalten habe, einschüchtern, sagt die Gründerin des „Goldenen Aluhut“. Jedoch sei sie nicht die einzige, die Drohungen erhalte.

    „Viele Leute fühlen sich motiviert, anderen Leuten zu sagen, was sie von ihnen halten, und dabei übelste Beschimpfungen in den Mund zu nehmen und sie sogar mit dem Tod zu bedrohen. Wenn ich auf das Demonstrationsgeschehen schaue, auch vom vergangenen Wochenende, wo wieder Journalisten bedroht wurden und ihnen gesagt wurde 'Irgendwann hängt ihr am Galgen' - das ist fürchterlich! Das sind keine Menschen, die behaupten können, aus Liebe heraus zu agieren. Tut mir leid, das ist keine Liebe, das ist Menschenverachtung!“

    Querdenken mache sich mit Festhalten an Klage "lächerlich"

    Noch habe sie sich durch die Drohungen nicht veranlasst gefühlt, juristische Schritte einzulegen oder diese öffentlichkeitswirksam anzuprangern. Doch der kommende Prozess gegen Querdenken sei auch so öffentlichkeitswirksam genug. Damit mache sich die Bewegung selbst lächerlich und die Öffentlichkeit werde auf diesem Wege hoffentlich verstehen, was für Menschen dahintersteckten, so Silberberger. Sie glaube auch, dass Querdenken jede Publicity, ob gute oder schlechte, nutze, um auf sich aufmerksam zu machen. Es bleibe am Ende jedem selbst überlassen, sie zu beurteilen.

    Für die Verleihung des „Goldenen Aluhutes“ haben sich Giulia Silberberger, ihre Mitstreiter und der Heimathafen Neukölln gut vorbereitet. Der Polizeischutz habe bei ihrer Veranstaltung schon Tradition, und dieses Mal werde die Polizei mit verstärktem Aufgebot vor Ort sein. Security und Einlasskontrollen werde es ebenfalls wieder geben, und ein ausgefeiltes Hygienekonzept werde für den bestmöglichen Infektionsschutz sorgen.

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    Tags:
    Fake-News, Verschwörungstheorie, Negativpreis, Querdenken, Preisträger, Deutschland