11:56 02 Dezember 2020
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    Belgien ist im verschärften Lockdown. Mit den Regeln soll der Druck auf Krankenhäuser verringert und die Corona-Infektionskurve so radikal wie möglich umgekehrt werden, steht das Land doch europaweit an der Spitze bei Neuinfektionen. Kontakte sind auf eigene Haushalte beschränkt, pro Familienmitglied eine Person. Es gibt aber einen „Single-Bonus“.

    Das gesellschaftliche Leben ist ab Wochenbeginn in Belgien coronabedingt und mit Geltung bis zum 13. Dezember durch den „Konzertierungsausschuss", in dem die Föderalregierung sowie die Regierungen der Regionen vertreten sind, noch stärker reglementiert: Geschäfte sind bis auf wenige Ausnahmen wie Apotheken, Supermärkte oder Fahrradläden geschlossen, es gibt nächtliche Ausgangssperren.

    Und jedes Mitglied einer Familie hat fortan nur noch das Recht auf einen Besucher daheim, heißt es. Der generell gültige Mindestabstand von 1,5 Metern muss dabei nicht mehr eingehalten werden. Familienmitglieder dürfen gleichzeitig jedoch nur einen engen Kontakt zu sich nach Hause einladen – im französischsprachigen Teil Belgiens „un contact rapproché“ genannt.

    Ausnehmend niedlicher macht sich der Begriff der flämischsprachigen Bevölkerung für hiesige Ohren aus, handelt es sich doch um je einen „Knuffelcontact“. Und das klingt zunächst einmal knuffig. „Knuffel“ wird übrigens mit „Ü“ wie in Küssen ausgesprochen, heißt auch so viel wie Knutschen, Schmusen oder Kuscheln. Und eben jene Nähe soll nur noch mit einer Person möglich sein.

    Ein Herz für Singles

    Für Menschen allerdings, die in einem Single-Haushalt leben, gibt es eine Ausnahme: Sie dürfen zwei Personen empfangen. Aber nicht gleichzeitig. „Knuffelcontacten“ zu dritt geht also nicht – „Kuschel-Monogamie“ ist angesagt.

    ​Wie etwaige Regelverstöße überprüft werden sollen, ist offen. Und auch, ob es sich bei diesem „Knuffelcontact“ um möglichst dieselbe Person handeln soll, mit der man mit Streicheleinheiten die frugale Zeit der Pandemie überstehen möge, wie zum ersten Lockdown vom niederländischen Gesundheitsamt vorgeschlagenen „Seksbuddy“. Dann wäre Auslegungssache, was ein „enger“ Kontakt ist. Womöglich vertrauen die Politiker auf den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung.

    Deutsches Szenario

    Seit November dürfen sich in Deutschland abhängig vom Bundesland im Schnitt maximal zehn Personen treffen, die aus zwei Haushalten stammen. Diese Kontaktbeschränkungen gelten im privaten und öffentlichen Raum wie in Hamburg und Berlin. Besuche daheim sollen etwa in Niedersachsen generell vermieden werden. Private Treffen in der Wohnung sind in Hessen nur in einem engen Kreis erlaubt.

    Da findet sich sicher der eine oder andere spitzfindige Maskenverweigerer – in der Öffentlichkeit ja schon in allerlei Spielarten gewitzt – der auch den täglichen „Hausbesuch“ der „Escort-Dame“ seiner Wahl von der Regelung „enger“ oder „zwingend notwendiger“ Kontakt gedeckt sieht und den Sinn der Restriktionen so ad absurdum führt. 

    Im „Bordell Europas“ – wie Deutschland im Ausland genannt wird – nehmen täglich rund 1,2 Millionen Männer käuflichen Sex in Anspruch. Sextouristen aus aller Welt kamen vor der Pandemie nach Deutschland, um Bordellurlaub zu machen - die Bundesrepublik ist Zielland von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung. Rund 14,5 Milliarden Euro werden schätzungsweise im Rotlichtmillieu jährlich umgesetzt.

    Der „Bedarf“ und das Selbstverständnis, mit dem in Deutschland Körper einfach geordert werden, sind mit der Pandemie mitnichten verschwunden. Solange Freier in dieser liberalen Gesellschaft nicht belangt werden, muss man sich nicht wundern, dass „Freudenhäuser“ mit Opernhäusern, Theatern und Konzertsälen im gleichen Atemzug genannt und als gleichermaßen von einem Shutdown betroffen angesehen werden, niemals aber der „kleine König“ und schon gar nicht in seinem vier Wände umspannenden Reich. Nach ihm die Sintflut.

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    Tags:
    Gesundheit, Infektionen, Shutdown, Lockdown, Coronavirus, Belgien, Deutschland