10:20 04 Dezember 2020
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    Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech hat am Montag mitgeteilt, dass seine Impfung einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19 biete. Der Befund basiere auf den Zwischenergebnissen der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase.

    Schwere Nebenwirkungen seien nicht registriert worden, hieß es weiter. Biontech und der Pharmariese Pfizer wollen nun voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen.

    Der Impfstoff BNT162b2 war von Biontech im Projekt „Lighspeed“ (Lichtgeschwindigkeit) seit Mitte Januar entwickelt worden. Die für eine Zulassung entscheidende Phase-3-Studie begann ab Ende Juli in verschiedenen Ländern. Inzwischen haben mehr als 43.500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Ein Impfschutz wird nach Angaben der Hersteller eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht.

    Das Biontech-Präparat ist ein sogenannter RNA-Impfstoff. Es enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt – in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

    In der Studie wurden demnach bis Sonntag insgesamt 94 Fälle der Krankheit bestätigt. Die Ergebnisse werden den Angaben zufolge erst dann abschließend ausgewertet, wenn insgesamt 164 Fälle erreicht sind. Zudem werde geprüft, in welchem Maß die Impfung nicht nur vor Covid-19 schützt, sondern auch vor schweren Verläufen der Krankheit. Insgesamt sollen sowohl die Schutzwirkung als auch etwaige Nebenwirkungen über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet werden.

    Für den Corona-Impfstoff gilt wegen der besonderen Dringlichkeit ein beschleunigter Zulassungsprozess. Bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA können Arzneimittelhersteller schon vor dem kompletten Zulassungsantrag einzelne Teile zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit eines Präparats einreichen. Ein solches Rolling-Review-Verfahren hat neben Biontech auch das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca bereits vor einiger Zeit für seinen Impfstoff-Kandidaten gestartet. Astrazeneca hat bisher noch keine Phase-III-Daten veröffentlicht. Zum Zeitplan dafür lasse sich noch nichts sagen, teilte eine Sprecherin am Montag mit.

    Aktien von Biontech und Pfizer schnellen hoch

    Erfolgversprechende Daten zur Wirksamkeit eines Corona-Impfstoffkandidaten haben die Aktien von Biontech und Pfizer am Montag im vorbörslichen US-Handel angetrieben. Für die Papiere des US-Pharmakonzerns Pfizer ging es um rund 9 Prozent aufwärts, die Papiere des Mainzer Biotechunternehmens schnellten um rund 16 Prozent auf 107 US-Dollar nach oben.

    „Sputnik V“

    Der russische Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus, der den Namen „Sputnik V“ erhielt, war der weltweit erste. Er wurde vom Gamaleya-Forschungsinstitut mit Unterstützung des RDIF entwickelt. Experten zufolge wiesen alle Freiwilligen bei den klinischen Studien hohe Antikörpertiter aus. Es seien keine schwerwiegenden Komplikationen festgestellt worden, hieß es. 

    Der Impfstoff basiert auf dem Prinzip der viralen Vektoren, welches folgendermaßen funktioniert: Auf einem für Menschen harmlosen deaktivierten Adenovirus wird – ähnlich wie auf einer Trägerrakete – ein Stück Coronavirus angebracht. Nach der Impfung entsteht eine Immunabwehr – sowohl gegen das Adeno- als auch gegen das Coronavirus. Sputnik V besteht aus zwei Komponenten, die in zwei Etappen innerhalb von drei Wochen verabreicht werden.

    ta/dpa

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    Tags:
    Deutschland, Corona-Impfstoff