12:18 02 Dezember 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    25811
    Abonnieren

    Weißrussische Sicherheitskräfte haben gegen die Teilnehmer einer oppositionellen Demo in Minsk offenbar Lärm- und Blendgranaten eingesetzt. Dies berichtet ein Korrespondent von Sputnik vor Ort.

    Demnach waren in der Nähe der U-Bahn-Station „Puschkinskaja“ in Minsk, wo sich die Opposition für die Protestaktion versammeln will, mehrmals Geräusche zu vernehmen, die den Explosionen von Lärm- und Blendgranaten ähneln. Zudem sei eine Kolonne von Gefangenentransportern und Wasserwerfern vorbeigefahren.

    Zuvor hatten sich mehrere hundert Protestierende unweit der U-Bahn-Station „Puschkinskaja“ im Westen der weißrussischen Hauptstadt versammelt, um von dort aus einen nicht genehmigten Protestmarsch zu starten. Nach Angaben eines Korrespondenten von Sputnik wurden mehrere Dutzend Personen von den Sicherheitskräften vor Ort festgenommen. Die Minsker Polizei bestätigte die Festnahmen, nannte jedoch die Anzahl der Festgenommenen nicht.

    Der Sputnik-Korrespondent begegnete unweit der U-Bahn-Station einer Frau, deren Hose zerrissen und blutbeschmiert war. Die Dame saß auf einem Bordstein und weigerte sich, mit dem Sputnik-Reporter zu sprechen oder sich von ihm fotografieren zu lassen. Augenzeugen behaupteten, sie sei bei der Explosion einer Lärm- und Blendgranate verletzt worden. Die Ordnungskräfte hätten mehrere Lärmgranaten eingesetzt, als eine große Kolonne von Demonstranten auf die Fahrbahn vorgedrungen sei.

    Nach Informationen des Sputnik-Korrespondenten nehmen zurzeit die Sicherheitskräfte Protestierende sowohl auf dem Bürgersteig als auch auf der Fahrbahn fest und setzen dabei vermutlich Gummiknüppel ein.

    Tränengas aus Sprühdosen

    Zuvor hatten lokale Medien und Nutzer des sozialen Netzwerkes Telegram Videos veröffentlicht, die zeigen sollen, wie Ordnungshüter in Minsk Tränengas aus Sprühdosen in Richtung der Demonstrierenden versprühen, die sich in der Nähe der Metrostation „Puschkinskaja“ versammelt haben. Nach Angaben von Sputnik-Korrespondenten wurden mehrere Dutzend Personen von den Strafverfolgungsbehörden festgenommen.

    Die Minsker Polizei teilte gegenüber Sputnik mit, sie könne den Einsatz von Spezialmitteln, unter anderem von Tränengas und Lärm- sowie Blendgranaten, gegen die Demonstranten derzeit weder offiziell bestätigen noch dementieren. Laut der Sprecherin Natalja Ganussewitsch sollen entsprechende Informationen, darunter auch die Anzahl von Festgenommenen, am Montag bekannt gegeben werden.

    Nach Angaben der offiziellen Vertreterin des Minsker Stadtpräsidiums, wird die Polizei Informationen über die Zahl der Häftlinge veröffentlichen und darüber, ob bei den Festnahmen am Montag besondere Mittel eingesetzt wurden.

    Proteste nach Präsidentschaftswahl in Weißrussland

    Gleich nach den Präsidentschaftswahlen in Weißrussland am 9. August hatte die Opposition mit landesweiten Massenprotestaktionen begonnen. Die Gegner des amtierenden Staatschefs, Alexander Lukaschenko, für den dieser Wahlsieg bereits der sechste in Folge war, wollen seine Wiederwahl nicht anerkennen. Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission konnte Lukaschenko 80,1 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Die Opposition erkennt seine Herausforderin Swetlana Tichanowskaja als Wahlsiegerin an.

    Bei der Auflösung der oppositionellen Kundgebungen setzten die Ordnungskräfte teilweise Tränengas, Wasserwerfer, Blend- und Lärmgranaten sowie Gummigeschosse ein.

    Die Behörden bestätigten bislang den Tod von drei Protestierenden.

    Weiterhin werden im Land Protestaktionen durchgeführt, die umfangreichsten von ihnen finden an den Wochenenden statt. Auch Lukaschenkos Anhänger halten Veranstaltungen zur Unterstützung des Präsidenten ab, dessen Amtseinführung am 23. September stattgefunden hat. Die Strafverfolgungsbehörden stellen eine Radikalisierung der Proteste in Belarus fest.

    asch/sna/ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Rüstungskreise: Russische Drohne Ochotnik erstmals als Abfangflugzeug getestet
    Trauer in Trier: Auto als Waffe schwer zu verhindern – rheinland-pfälzischer Innenminister
    Russischer Impfstoff darf dran, so Kommission von der Leyens - aber „nirgendwo in EU außer Ungarn“
    Bluttaufe – aber vorher „Hund an die Gurgel“: Australische Elitetruppe in Afghanistan
    Tags:
    Präsidentschaftswahlen, Präsidentschaftswahl, Polizei, Polizei, Sicherheitskräfte, Proteste, Weißrussland