12:00 02 Dezember 2020
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    Die Botschaft von Kanzlerin Angela Merkel in der Corona-Krise ist längst klar: Bleiben Sie möglichst zu Hause und reduzieren Sie Ihre Kontakte. Um dieser noch mehr Ausdruck zu verleihen, hat die Bundesregierung eine Video-Kampagne in die Wege geleitet. Die Reaktionen fallen gemischt von Lob über Kritik bis Spott und Häme aus.

    Unter dem Schlagwort #besonderehelden veröffentlicht der Regierungssprecher Steffen Seibert seit dem Wochenende auf Twitter Videos im Stil der TV-Geschichtsdokus, in denen diese Botschaft dann noch hyperbolisierter serviert wird und sich vor allem auf die jungen Menschen orientiert. Ältere Menschen erzählen da etwa aus der Zukunft rückblickend von ihren Heldentaten im Corona-Winter 2020, als „eine unsichtbare Gefahr alles bedrohte, woran wir glaubten“ und „das Schicksal dieses Landes plötzlich in unseren Händen lag“. Dann hätten sie das getan, was von ihnen erwartet worden sei - „Absolut gar nichts. Waren faul wie die Waschbären“, also „tage- und nächtelang blieben wir auf unserem Arsch zu Hause und kämpften gegen die Ausbreitung des Coronavirus.“

    „Besondere Zeiten brauchen besondere Helden“, bringt etwa das zweite Video nahe

    „Und tja weiß Gott, das waren wir!“ In dem am Montag erschienenen dritten Video zeigt ein älterer Mann noch eine Medaille, mit der er im Winter 2021 angeblich für seine besonderen Leistungen im Kampf gegen Corona ausgezeichnet wurde - und war plötzlich „ein Held, ein Idol, ein Muster-Bürger“ - dafür, dass er seine Wohnung so gut wie nie verlassen habe.

    Wie ein Sprecher des Bundespresseamtes bereits bestätigte, gehören die Videos zu den Informationsmaßnahmen über die Corona-Pandemie. Doch inwiefern informieren sie tatsächlich? Hunderttausendfach wurden sie bereits angeklickt und lösen ganz unterschiedliche Diskussionen aus.

    Zu den Befürwortern gehört etwa die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli. „So stark. So herzerwärmend. Und so verdammt wichtig“, lobte sie die Kampagne. „Und jetzt bitte noch so einen Film an die Covidioten in Berlin, Stuttgart etc.“, unterstützte der junge FDP-Politiker Phil Hackemann. Der Comedian Freshtorge bekannte sich auch zu den Videos und schlug vor, etwas Ähnliches auch bei den kommenden Wahlen zu machen, um die jungen Leute besser zu erreichen. Viele ausländische Twitter-Nutzer amüsierten sich über die Inhalte und wollten die Videos weiterverbreiten.

    „Geschmack-und respektlos“

    Jedoch stoßen die Videos bei deutlich mehr Menschen eher für Unmut. „Realität: Suizide, psychische Störungen, Kindeswohlgefährdungen, Armut, Pleiten, Scheidungen“, kommentierte etwa der Twitter-Nutzer Atréju. „Geschmack-und respektlos den Menschen gegenüber, die im HomeOffice und Homeschooling mehr als 100 Prozent geben und für alle, die am Ende ihrer Kräfte im Einsatz für andere sind“, kommentierte etwa der Nutzer Markus. Die Nutzerin Margot Käsemann eben: „Machen wir es, wie Seibert vorschlägt. Bleibt zu Hause! Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern: bleibt zu Hause. Verkäufer, Kassiererinnen: bleibt zu Hause. Lokführer: bleibt zu Hause. Polizisten: bleibt zu Hause. Dann ist die Pandemie in 2 Tagen vorbei. Und diese Regierung auch“. Der Journalist Boris Reitschuster warf der Bundesregierung seinerseits vor, von der Realität der Bürger losgelöst zu sein.

    Weitere Politiker meldeten sich ebenfalls unzufrieden zurück. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Kubicki unterstellt der Bundesregierung, mit dem Video Millionen von Menschen, die „in unserem Land seit Monaten mit Existenzsorgen kämpfen“, zur Passivität zu verdammen. „Sie werden durch diese irre Kampagne der Bundesregierung verhöhnt. Hinzu kommt, dass man eine Krise nicht vom Sofa aus bewältigt“, so Kubicki auf Facebook.

    lk/gs

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    Tags:
    Steffen Seibert, Coronavirus, Bundesregierung, Angela Merkel