18:56 27 November 2020
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    Künstler wie Gerhard Richter, Markus Lüpertz und Rosemarie Trockel haben Werke für wohltätige Zwecke gestiftet. Einige davon waren sofort vergriffen. Ein Kölner Verein für Obdachlose und Arme erwartet einen mittleren sechsstelligen Betrag als Erlös. „Kunst hilft Geben“ hatte noch nie so viel zu tun, da Menschen helfen wollen, so Leiter Dirk Kästel.

    Mittlerweile über 60 Künstler unterstützen mit über 500 Werken die Hilfsaktion „Notgeld für Obdachlose, Flüchtlinge und Kinder in Not“ in Köln. Davon einige, die im aktuellen „Kunstkompass“ der wichtigsten zeitgenössischen Künstler rangieren. Gestiftet wurden unter anderem Werke vom „teuersten zeitgenössischen Maler“ Gerhard Richter, von Rosemarie Trockel und Markus Lüpertz oder Georg Baselitz: Original-Kunstwerke – Unikate und Editionen.

    Durch diesen „Rettungsschirm für Bettler“ und andere Hilfsbedürftige soll ein mittlerer sechsstelliger Betrag erzielt werden.

    Tausende kämpfen ums Überleben

    „In dieser Jahreszeit und dann im Winter und in diesem Jahr insbesondere bedingt durch die Corona-Krise kämpfen in Köln wie in ganz Deutschland Tausende ums Überleben auf der Straße“, so Dirk Kästel vom Verein „Kunst hilft Geben“ gegenüber Sputnik. „Wir versuchen mit unserer seit acht Jahren bestehenden Initiative zu helfen und so die Not ein wenig zu lindern.“

    Der Verein sammelt seit 2012 mit Kunstverkäufen Geld für kleine Hilfsprojekte für Wohnungslose: Diese unterstützten die ehrenamtlichen Mitglieder der Initiative aktiv bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und Anträgen, übernehmen Kautionsbürgschaften, helfen beim Einzug oder bei der Möbelbeschaffung.

    Seit Vereinsgründung gab es über 60 Benefizaktionen aus dem Kunstbereich – Dank generöser Kunstspenden.

    Bundesbananenadler und Künstler-Genius für Bedürftige

    Unter den Kunstwerken der laufenden Hilfsaktion sind – beziehungsweise waren, denn zwischenzeitlich sind die aktuellsten Einlieferungen vergriffen – zwei handsignierte Kunstdrucke von Gerhard Richter aus seiner „Kerzen“-Reihe für 20.000 und 30.000 Euro und ein kleiner pinkfarbener Jeff Koons-Ballonhund für 10.000 Euro, gestiftet von einem privaten Sammler, der ungenannt bleiben will.

    Bislang wurden mit „Not-Geld“ über 600.000 Euro allein durch den Verkauf von Richters Werken eingenommen, berichtet Kästel – und sofort weitergegeben an Bedürftige, etwa zum Erwerb von Laptops für den Heimunterricht von Kindern aus ärmeren Verhältnissen oder auch für den Ankauf von Schlafsäcken für Menschen ohne festen Wohnsitz, von denen es in Köln etwa 600 gäbe – bei rund 6000 Wohnungslosen, die auch in Notunterkünften lebten.

    „Wir hatten noch nie so viel zu tun, wie jetzt seit der Corona-Zeit“, berichtet der Vereinsvorsitzende. „Die Menschen sehen die Verhältnisse und wollen helfen, sie verstehen, dass es in diesem Jahr noch schlimmer um die Situation von Armen, bedürftigen Kindern und Flüchtlingen bestellt ist.“

    Der laut Kunstkompass „wichtigste Künstler“ Gerhard Richter ist selbst einer der wichtigsten und größten Unterstützer, erzählt Kästel – neben Rosemarie Trockel und Klaus Staeck, der etwa Werke von Sigmar Polke stiftete.

    Zu haben sind in der laufenden Wohltätigkeitsaktion noch Richters „Frau mit Kind“, ein seltener handsignierter und datierter großer Schwarz-Weiß-Druck für 32.000 Euro, und auch Rosemarie Trockels Werk „There is hope, but not for us” (engl: Es gibt Hoffnung, aber nicht für uns) sowie eine bunt bemalte Bronze-Skulptur von Markus Lüpertz für 55.000 Euro brutto mit dem Titel „Künstler-Genius“, der „Bundesbananenadler“ von Thomas Baumgärtel und eine Radierung von Expressionist und „Brücke“-Mitglied Max Pechstein für gerade einmal 1000 Euro. Alle gestifteten Werke werden unter www.charityartcologne.de und im vereinseigenen „Not-Geld-Shop“ zum Verkauf angeboten.

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    Tags:
    Flüchtlinge, Obdachlose, Spende, Künstler, Deutschland, Kunst