00:01 17 Oktober 2017
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    "Wremja Nowostej: Stromausfall in Moskau als politischer Anschlag gegen Tschubais

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    MOSKAU, 26. Mai (RIA Nowosti). Die politischen Folgen des Stromausfalls am Mittwoch in Moskau könnten nicht weniger ernsthaft sein als die technologischen Folgen oder die Probleme im Alltag, schreibt die Tageszeitung "Wremja Nowostej" am Donnerstag. Der Präsident bekommt gewichtige Argumente für eine Entlassung von Anatoli Tschubais, Chef der Stromholding RAO EES.

    Tschubais ist der letzte Leiter eines natürlichen russischen Monopolisten, der nicht aus Putins Team stammt, im Unterschied zum Gasprom-Chef Alexej Miller oder zu der gegenüber der Macht absolut loyalen und unpolitischen Firgur des Leiters der Gesellschaft Russische Eisenbahnen (RZD), Gennadi Fadejew.

    Es geht darum, wie der Kreml auf die äußerst anfechtbare Lage reagieren wird, in die sein potentieller politischer Opponent geraten ist. Zwar hat Tschubais nach der Niederlage der liberalen Partei Union der Rechtskräfte (zu deren Spitzenfiguren er gehörte) bei den Staatsduma-Wahlen 2003 keine Putin-feindlichen Äußerungen gemacht, er bleibt dennoch zweifellos eine der größten Schattenfiguren einer eventuell vereinigten rechtsliberalen Opposition. In dieser Situation gerät die Macht (insbesondere die "Silowiki") in die Versuchung, Tschubais durch einen Menschen aus eigenen Reihen zu ersetzen. Der Staat besitzt das Kontrollaktienpaket der Stromholding.

    Tschubais Absetzung würde die realen Probleme der Stromenergiewirtschaft nicht lösen, aber dann wird man niemanden mehr haben, den man für jede neue Havarie dieser Art (und die sind durchaus wahrscheinlich) verantwortlich machen könnte. Im Amt des Topmanagers des größten Staatsunternehmens hat Tschubais keine Möglichkeit, sich aktiv mit Politik zu befassen. Sobald er aber eine Privatperson ist, würde sich diese Möglichkeit eröffnen.

    Die wichtigste politische Lektion der Havarie in Moskau: Die Stabilität einer jeden Macht kann ohne "Umtriebe der Opposition" und ohne barbarische Terrorakte ins Wanken gebracht werden. Denn in Russland sind die Lebensversorgungssysteme stark verschlissen.

    Beim Stromausfall in mehreren Moskauer Umspannwerken war am Mittwochmorgen die Stromversorgung von sechs der insgesamt zehn Moskauer Stadtbezirken (Wohnhäuser, U-Bahn, Straßenbahnen, Trolleybusse und Zugsnahverkehr) vollständig bzw. teilweise zusammengebrochen. 24 Städte im Moskauer Umland sowie in unterschiedlichem Maße die Gebiete Kaluga, Tula und Rjasan hatten Probleme mit der Stromversorgung. Insgesamt waren 1,5 bis zwei Millionen Menschen von der Havarie betroffen.