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    Russlands Ex-Atomminister Adamow lehnt freiwillige Auslieferung in die Heimat ab

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    GENF, 26. Mai (RIA Nowosti). Russlands Ex-Atomminister Jewgeni Adamow hat eine vereinfachte (im Grunde genommen freiwillige) Auslieferung in die Heimat abgelehnt. Das teilte Adamows Schweizer Anwalt Stefan Wehrenberg am Donnerstag in Genf mit. Das Verfahren der vereinfachen Auslieferung war dem 66-jährigen Adamow bereits am vergangenen Freitag angeboten worden. Aber die Behörden der Schweiz und die Anwälte des Ex-Ministers weigerten sich, seine Antwort bekanntzugeben. Zuvor hatte Adamow ein vereinfachtes Verfahren seiner Auslieferung an die USA abgelehnt.

    „Ich möchte mitteilen, dass ich die vereinfachte Auslieferung an beide Staaten ablehne, die entsprechende Anträge gestellt haben", heißt es in einer von Wehrenberg verbreiteten Erklärung Adamows. Er sei der Ansicht, seine Verhaftung in Bern sei gesetzwidrig gewesen, und wolle seine Entlassung aus der Haft durchsetzen, betont Adamow.

    „Ich halte meine Verhaftung, die auf Antrag der USA vorgenommen wurde, für rechtswidrig. Ich will das Gefängnis als freier Mensch verlassen und als solcher in die Heimat zurückkehren."

    Die Entscheidung über Adamows Auslieferung wird von den schweizerischen Behörden erst nach Erhalt des formellen Auslieferungsantrags der USA getroffen. Nach dem Schweizer Gesetz hat Washington bis zum 30. Juni Zeit, um den Antrag zu stellen.

    Nach Erhalt des Antrags muss das schweizerische Bundesamt für Justiz darüber entscheiden, wessen Antrag Vorrang hat. Den russischen Antrag hatte die Schweiz am 17. Mai erhalten. Die Generalstaatsanwaltschaft Russlands leitete zuvor ein Strafverfahren gegen Adamow ein, dem Betrug und Amtsmissbrauch zur Last gelegt werden.

    Russland hofft, dass sich die schweizerischen Behörden bei ihrer Entscheidung vom russisch-schweizerischen Vertrag von 1873 über die Auslieferung von Personen leiten lassen, die verdächtigt sind, Straftaten begangen zu haben.

    Obwohl der Vertrag von Russland noch in der Zarenzeit unterzeichnet wurde, einigten sich die Russische Föderation und die Schweiz nach Austausch entsprechender Noten im Jahr 1993 darauf, dass der Vertrag weiterhin in Kraft bleibt.

    Adamow, der 1998-2001 Atomminister Russlands war, wurde am 2. März auf Antrag des US-Justizministeriums in Bern festgenommen. Gegenwärtig sitzt der frühere Minister in einem Berner Gefängnis.

    Die US-Behörden werfen Adamow und seinem US-amerikanischen Geschäftspartner Mark Kaushansky vor, den amerikanischen Fiskus um neun Millionen Dollar gebracht zu haben. Die Gelder waren von der US-Regierung für Projekte zur Erhöhung der nuklearen Sicherheit in Russland bereitgestellt worden.

    In den USA kann Adamow mit einer Haftstrafe von bis zu 60 Jahren rechnen.

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