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    »Polititscheski Schurnal» zur politischen Entwicklung in Usbekistan

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    MOSKAU, 27. Mai (RIA Nowosti). Eine weitere Entwicklung der Ereignisse in Usbekistan nach dem Szenario der «bunten» Revolutionen ist wenig wahrscheinlich. Diese Meinung äußerte der Orientalist Sergej Andrejew, Doktor der Oxford-Universität, in einem Interview für die Wochenzeitschrift «Polititscheski Schurnal».

    Im Unterschied zu Georgien, zur Ukraine und zu Kirgisien gibt es in Usbekistan keine organisierte Oppositionselite, die in der Lage wäre, die bewaffneten Strukturen und die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu ziehen, meinte der Experte.

    Außerdem würden die aufständischen Islamisten (einer der Anführer des Aufruhrs, Bachtijar Rachimow, erklärte ohne Umschweife, ihr Ziel sei die Herstellung eines islamischen Staates in Usbekistan) kaum von westlichen Sponsoren oder von Russland unterstützt.

    Die Meuterer könnten höchstens von der Islamistischen Internationale unterstützt werden, diesen würden aber kaum Kräfte für eine gesamtnationale Revolution ausreichen. Höchstwahrscheinlich werden die Islamisten zur Taktik von Terrorakten zurückkehren bzw. versuchen, die Führung der Volksaufstände gegen die schwere Wirtschaftslage und die repressive Politik der dortigen Behörden zu übernehmen.

    Im Endeffekt könnte dies zu einer Verwirklichung des Alptraums von Präsident Islam Karimow führen - einer usbekischen Reproduktion des tadschikischen Bürgerkriegs, der zwischen einzelnen regionalen Clans, aber unter der Fahne des Islams geführt wurde.

    Soweit sich das jetzige Regime von der Effektivität der gewaltsamen Lösung des Problems überzeugt hat, wird es sich kaum zu umfassenden politischen und wirtschaftlichen Reformen entschließen, so Andrejew. Wahrscheinlicher ist der Versuch, die Machtbasis mit bewährten Methoden - der Bestechung der regionalen Claneliten - zu erweitern.

    In Taschkent sind Gerüchte im Umlauf, Karimow sei schwer erkrankt. Sollte dies stimmen, dann ist jetzt außerdem ein zunehmender Machtkampf innerhalb der Eliten zu erwarten. Die wahrscheinlichsten Anwärter auf das Präsidentenamt sind Rustam Inojatow, Chef des Sicherheitsdienstes, Innenminister Sakir Almatow und der Präsidentenberater Ismail Dschurabekow. Keiner von ihnen unterscheidet sich hinsichtlich der politischen Färbung von Karimow. Insofern sind mit Karimows Abgang keine ernsthaften politischen Veränderungen in der Republik zu erwarten.

    Am 13. Mai war es in der viertgrößten usbekischen Stadt Andischan zu einer bewaffneten Erstürmung des Gefängnisses sowie einer Reihe von Regierungsgebäuden gekommen. Die Rechtsschutzorgane Usbekistans unternahmen eine bewaffnete Aktion, bei der laut offiziellen Angaben 170 Personen ums Leben kamen. Laut Berichten von Journalisten und Bürgerrechtlern gab es allerdings mehrere Hundert Tote.

    Gegenwärtig halten sich rund 500 Flüchtlinge im Westen Kirgisiens, hauptsächlich in dem an Usbekistan grenzenden Gebiet Dschalal-Abad, auf.

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