02:39 20 Januar 2017
Radio
    Politik

    »Gaseta»: Von Stromholding RAO EES werden nach Stromausfall Entschädigungen verlangt

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 1 0 0
    MOSKAU, 27. Mai (RIA Nowosti). Der Stromausfall am Mittwoch in Moskau und mehreren benachbarten Gebieten könnte die Stromholding RAO EES teuer zu stehen kommen. Bei dem Unternehmen treffen erste Forderungen nach Entschädigung ein. Im Stab für die Beseitigung der Folgen des Stromausfalls werden die Verluste auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt, berichtet die Tageszeitung «Gaseta» am Freitag.

    Wie der namhafte Moskauer Anwalt Igor Trunow mitteilte, hätten sich auch natürliche und juristische Personen an ihn gewandt, die Entschädigungen für die Verletzung von Vertragsbeziehungen, aber auch moralische Entschädigungen fordern wollen.

    Diejenigen, die eine Entschädigung für die an dem Tag nicht unterzeichneten Geschäftskontakte bekommen wollen, würden beweisen müssen, dass das Geschäft gerade infolge des Stromausfalls und nicht infolge der üblichen Verkehrsstaus nicht zustande gekommen ist, erklärte Trunow. Dazu werden alle Dokumente, darunter auch die geschäftliche Korrespondenz der Partner, erforderlich sein. Eine Klage kann auch gegen einen Laden eingereicht werden, in dem am Tag des Stromausfalls eine verdorbene Ware gekauft wurde. Erfolgschancen haben auch diejenigen, die infolge der Störungen ihren Zug bzw. ihr Flugzeug verpasst haben. Der Anwalt Andrej Knjasew empfiehlt, für diesen Fall die Reisedokumente aufzubewahren.

    Viel größere Unannehmlichkeiten könnten der Stromholding Klagen von Unternehmen bereiten. Wie Andrej Knjasew mitteilte, versichern die meisten Unternehmen ihre Waren, insofern wird RAO EES gegen sachkundige Versicherungsexperten prozessieren müssen. Die 700 000 Hühner, die in der Geflügelfarm Petelino bei Moskau an Luft- und Wassermangel umkamen, seien ein gewichtiges Beweisstück im Gericht.

    Auch die Administration der Stadt Tula gab bekannt, sie wolle eine zusammengefasste Klage einreichen. Wie der Gouverneur Wjatscheslaw Dudka sagte, werde im Gebiet Tula dazu eine Sonderkommission gebildet, an der die Staatsanwaltschaft teilnehmen werde.

    Allerdings wird niemand eine Entschädigung bekommen könnten, sollte der Stromausfall als höhere Gewalt anerkannt werden. Nach den Worten von Anatoli Juschin, Partner der juristischen Firma A. S. T. Legal, könnte das passieren, wenn bewiesen wird, dass die Panne nicht von konkreten Personen, beispielsweise von den Projektanten bzw. von den betreibenden Institutionen, verursacht wurde. Jewgeni Timofejew, leitender Partner der Gesellschaft Timothy's, ist allerdings der Auffassung, dass «Fälle höherer Gewalt in der juristischen Praxis äußerst selten vorkommen». Damit die Klagen gegen die Stromunternehmen Aussichten haben, müsse lediglich bewiesen werden, dass die Panne vorhersehbar war.

    Infolge der störungsbedingten Stromabschaltung hatte es am Mittwoch im Süden Moskaus kein Licht und kein Wasser gegeben. Fahrstühle sowie U-Bahn- und Nahverkehrszüge blieben stehen. Bankautomaten, Telefone und Ampeln setzten aus. Der Börsenhandel musste abgebrochen werden. Die Havarie führte zu Stromstörungen im Süden des Moskauer Umlands sowie in mehreren benachbarten Gebieten.