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    Putin empfing Tschukotka-Gouverneur Abramowitsch

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    MOSKAU, 27. Mai (RIA Nowosti) Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Freitag den Gouverneur von Tschukotka, Roman Abramowitsch, zu einem Arbeitsgespräch empfangen.

    Zu Beginn des Gesprächs teilte Abramowitsch mit, dass das Bruttoinlandsprodukt der Region seit seinem Amtsantritt als Gouverneur auf das Fünffache und der Durchschnittslohn auf 19.000 Rubel (ein US-Dollar entspricht 28,06 Dollar) gestiegen seien.

    „Fortschritte liegen natürlich vor. Doch nach unseren Angaben hat sich die Finanzlage von Unternehmen 2004 verschlechtert. Diese haben Probleme unter anderem mit dem Absatz ihrer Erzeugnisse", sagte Putin und zeigte Abramowitsch ein entsprechendes Diagramm.

    Daraufhin erklärte der Tschukotka-Gouverneur, dass der Zuwachs der Preise für Energieträger, und insbesondere für Dieselkraftstoff, zu einer Erhöhung der Selbstkosten und der Strompreise führte. „Aber wir versuchen, diese Prozesse einzudämmen", versicherte Abramowitsch.

    Weiter erkundigte sich Putin über das Lohnniveau im Staatssektor und fragte, ob es Rückstände bei der Auszahlung von Gehältern gebe.

    Der Durchschnittslohn im Staatssektor liege bei 16.000 Rubel, es gebe keine Rückstände, berichtete Abramowitsch.

    Der 39-jährige Abramowitsch hält zusammen mit seinen Partnern 80 Prozent der Anteile an Sibneft, der fünftgrößten russischen Ölfirma, wie auch 50 Prozent am Aluminiumhersteller Russki Aljumini (RusAl) und 26 Prozent an der Fluggesellschaft Aeroflot. Außerdem ist er Mehrheitseigner des Fußballclubs Chelsea London.

    Medien hatten mehrere Versionen in den Umlauf gebracht, wozu es Abramowitsch nötig hatte, bei der Gouverneurswahl auf Tschukotka anzutreten. Eine davon ist politisch: Somit wurde Abramowitsch zu einem „richtigen", „legalen" Politiker. Die andere ist wirtschaftlich: Tschukotka ist reich an Öl- und Gasreserven. Besonders vielversprechend ist die Gaserkundung in der Bucht von Anadyr. Zwei noch unerkundete Öl- und Gasfelder werden in der Ostsibirischen See und in der Tschuktschensee vermutet. Außerdem ist Tschukotka reich an Gold und biologischen Meeresressourcen.

    Abramowitsch ist Ex-Partner des anderen russischen Oligarchen Boris Beresowski, dem politisches Asyl in Großbritannien gewährt wurde, nachdem er in Russland zur Fahndung ausgeschrieben worden war.

    Abramowitschs spektakuläre Käufe - FC Chelsea, exklusive Luxusjachten und Flugzeuge - fanden ein lebhaftes Echo in der russischen Öffentlichkeit und stießen auf scharfe Kritik bei Politikern.

    Laut Erhebungen des Russischen Rechnungshofs ist der Autonome Bezirk der Tschuktschen, dessen Schulden doppelt so hoch wie die Einnahmen des regionalen Etats sind, de facto bankrott. Gemäß dem Steuergesetzbuch dürfen die Schulden einer einzelnen Region nicht deren Haushaltseinnahmen übersteigen.