08:54 20 Januar 2017
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    Iswestija: Die meisten Russen stehen negativ zu Chodorkowski

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    MOSKAU, 02. Juni (RIA Nowosti). Als eine „gleichwertige Figur der zweiten Ebene" bewerten einige russische Soziologen das politische Gewicht des Ex-Chefs von Yukos Michail Chodorkowski, der am vergangenen Dienstag vom Moskauer Meschtschanski-Gericht zu neun Jahren Haft verurteilt worden ist.

    Zugleich können sich 8,3 Prozent der Russen vorstellen, für Chodorkowski bei einer Präsidentschaftswahl ihre Stimme abzugeben. Davon zeugen die jüngsten Studien des Lewada-Zentrums nach Angaben der Tageszeitung Iswestija.

    Das ist fast eben so viel Stimmen, wie sie die anderen Politiker auf sich vereinigen würden (so würde der Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow lediglich auf zehn Prozent der Stimmen kommen; fast ebenso viel Russen seien bereit, für den Chef der Kommunistischen Partei Gennadi Sjuganow zu stimmen). Keiner von ihnen würde mehr als zehn Prozent der Stimmen erhalten.

    Dennoch warnen die Soziologen vor Illusionen über Chodorkowskis Popularität: Dem verfemten Oligarchen wird es offenbar nicht gelingen, die Kehrtwende von 1996 nachzuvollziehen, die Boris Jelzin damals schaffte. Bekanntlich gewann Jelzin die Präsidentschaftswahl, obwohl seine Popularität zu Beginn des Wahlkampfes nur noch vier Prozent betrug.

    Das Rating anderer Politiker kann mit dem von Chodorkowski nur bedingt verglichen werden, denn nur wenige lassen die Möglichkeit zu, für ihn wirklich stimmen zu können, erläutert Professor Juri Lewada. Die Menschen, die zu diesen 8,3 Prozent gehören, wollten mit ihrer Haltung sehr wahrscheinlich ihre Wertschätzung zu Chodorkowski und ihren Protest gegen das Vorgehen gegenüber ihm ausdrücken.

    Ein weiteres Argument dafür, dass Chodorkowskis Popularität eher Skepsis hervorruft, bringt das Meinungsforschungsinstitut Obschtschestwennoje mnenije (russ. Abk.: FOM) vor, das die Haltung der Menschen in Russland zu Chodorkowski noch vor dessen Verhaftung zu studieren begann. Diese Haltung blieb bis zuletzt unverändert, wie FOM-Analytiker Grigori Kertman behauptet. Laut den jüngsten Erhebungen stehen acht Prozent der Russen zu ihm positiv und 25 Prozent negativ.

    Das Moskauer Meinungsforschungsinstitut WZIOM bestätigt: Die Einstellung der meisten Russen zu Chodorkowski ist „stabil negativ". Lediglich 5 Prozent vertreten die Meinung, dass „alle Anschuldigungen gegen Chodorkowski erdacht sind und dass dessen einzige Schuld darin besteht, dass er bei den Machthabern in Ungnade geraten ist" (das ist um 3 Prozent weniger als im August 2004). Nur 4 Prozent glauben an Chodorkowskis völlige Unschuld. Viel höher ist der Anteil jener (26 Prozent), die überzeugt sind, dass man den Ex-Chef von Yukos zu zehn Jahren hätte verurteilen müssen, so wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. 46 Prozent der Russen meinen, dass Chodorkowski die Gesetze verletzt habe.

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