16:07 19 Januar 2017
Radio
    Politik

    „Nowyje Iswestija": Bleibt Tschubais im Amt?

    Politik
    Zum Kurzlink
    0 2 0 0
    MOSKAU, 06. Juni (RIA Nowosti). Russlands Präsident Wladimir Putin hat am Samstag die Leitung des Stromkonzerns EES Rossii und des Moskauer Stromversorgers Mosenergo (50 Prozent seiner Aktien gehören EES Rossii) beispiellos scharf kritisiert. Der Zusammenbruch des Stromnetzes vom 24. und 25. Mai, bei dem halb Moskau stundenlang ohne Strom war, sei eine Folge des uneffektiven Firmenmanagements, erklärte Putin. Der Mosenergo-Chef Arkadi Jewstafjew trat am gleichen Tag zurück.

    Führende russische Politologen urteilen auf den Seiten der Tageszeitung „Nowyje Iswestija", ob die „öffentliche Anprangerung" des Chefs von EES Rossii Anatoli Tschubais ein Vorzeichen für dessen baldige Entlassung sei.

    Alexej Makarkin, stellvertretender Direktor des Zentrums für Polittechnologien: Es steht womöglich eine groß angelegte Personalsäuberung bevor. Tschubais selbst wird sehr wahrscheinlich zwar im Amt bleiben, doch seine Möglichkeiten, seine wirtschaftlichen und politischen Ressourcen werden wesentlich eingeschränkt. Wahrscheinlich verringert sich auch sein Einfluss auf den Reformprozess im Energiesektor.

    Alexander Dugin, Präsident des Zentrums für politische Expertisen: Tschubais wird nicht entlassen. Selbst wenn man ihn jetzt entlassen würde, gäbe es dadurch keine grundlegenden Änderungen. In den zurückliegenden Jahren wurde nichts getan, um die Situation in dieser Branche zu sanieren. Die Machthaber sind selbstverständlich verschreckt. Hätte es zum Beispiel noch einen Tag länger keinen Strom gegeben, hätte das ganze Land einen irreparablen Schaden erlitten und wäre an den Rand einer Katastrophe geraten.

    Dmitri Oreschkin, Chef der Merkator-Gruppe: Dass der Präsident Tschubais öffentlich „angeprangert" hat, bedeutet, dass es ihn nicht entlassen will. Als ein rationaler Mensch versteht Putin, dass dieser Schritt kontraproduktiv wäre, denn er könnte einen Börsenkrach und neue Kontroversen mit dem Westen verursachen. Das um so mehr, als alle wohl einsehen, dass derartige Probleme in absehbarer Zeit auf Gasprom und ähnliche Systeme zukommen können. Um sie zu vermeiden, ist eine Dezentralisierung der Leitung notwendig, womit sich Tschubais eigentlich beschäftigte. Der Präsident versteht das alles, auch wenn die Versuchung groß ist, Tschubais loszuwerden. Unter den bestehenden Bedingungen ist es für ihn jedoch besser, Tschubais im Amt zu belassen und dabei maximal zu schwächen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren