17:00 20 Januar 2017
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    Braucht Russland einen englischsprachigen TV-Sender? - Meinungen ausländischer Journalisten

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    MOSKAU, 08. Juni (RIA Nowosti). Auf der Grundlage der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti wird ein staatlicher Fernsehsender gegründet, der in englischer Sprache ausstrahlen wird. Die Tageszeitung „Kommersant" veröffentlicht Stellungnahmen ausländischer Journalisten. Gisbert Mrozek, Chefkorrespondent des Moskauer Büros der deutschen Nachrichtenagentur RUFO: Mir reicht die Information in russischer Sprache aus. Doch für die Ausländer, die kein Russisch sprechen, kann die Information der russischen Regierung interessant sein. Wichtig ist, wie dieser Fernsehsender aufgebaut wird und inwieweit er politisiert ist. In Deutschland gibt es etwas Ähnliches - die Deutsche Welle.

    Michel Viatteau, Bürochef von France-Presse in Russland und der GUS: Ich persönlich brauche das nicht so sehr. Im Prinzip ist es aber positiv, denn je mehr Journalisten, desto mehr Fragen an die Machthaber und mehr Druck auf sie. Die Staatsführung macht kein Hehl aus ihrem Engagement am Projekt, und das Vertrauen zu ihm wird von der Arbeitsweise der Journalisten abhängen.

    Tagawa Minoru, Chefkorrespondent des Moskauer Büros der japanischen Zeitung Akahata: Ich weiß es nicht. Ich zum Beispiel kann alles auf Russisch lesen und verstehen. Ich bin gespannt, was der Regierungsfernsehsender den ausländischen Zuschauern anbieten wird, ist er ja ein Propagandamittel.

    Akram Khouzam, Chefredakteur der russischen Repräsentanz von Al-Jazeera: Ich hoffe sehr, dass der neue TV-Sender objektive und ausgewogene Information - mit Hilfe hochprofessioneller Journalisten - anbieten wird. Arbeitet er ebenso wie die anderen, so erweckt er im Westen kein Interesse. Die Pressefreiheit in Russland lebt noch, aber für die Medien werden massive Einschränkungen eingeführt. Ich befürchte daher, dass der Kreml diesen Kanal für Propagandazwecke einrichtet. Russland, geschweige denn der Westen, braucht keine Propaganda.

    Sewa Nowgorodzew, Mitarbeiter des russischen Dienstes des Rundfunksenders BBC: In meinen Augen handelt es sich um ein Überbleibsel des alten Sendekonzepts fürs Ausland, wo das Prinzip herrschte: Wir haben das Geld und werden in alle Welt ausstrahlen, und ihr werdet zuhören. Mit Ausnahme der ideologisch geprägten Menschen hatte es niemand eingeschaltet. Wenn aber die Gründer nur die Wahrheit auf den Bildschirm bringen, kann der neue Sender Nachfrage finden. Sonst ist die Idee lebensunfähig. Im Ausland gibt es keine Sender, die allein für das Image des Staates arbeiten.

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