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    Britische Experten halten den Fernsehsender Russia Today für ein ambitiöses Vorhaben

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    MOSKAU, 08. Juni (RIA Nowosti). Britische Medienexperten und Journalisten bezeichnen die Schaffung des Fernsehsenders Russia Today als einen „logischen Schritt" und ein „anspruchsvolles Unterfangen". „Ein derartiges Informationsmedium ist für die Gewährleistung der Interessen Russlands als einem wichtigen Agenten in der Weltarena unentbehrlich, daher halte ich dieses Vorhaben für einen logischen Schritt", erklärte James Nixey, der Programmmanager von „Russland - Eurasien" des Londoner Chathem House, in einem Interview für RIA Nowosti. Er unterstrich dabei, dass „Unvoreingenommenheit die eigentliche Herausforderung sein wird".

    „Ausweis für Qualität und Unvoreingenommenheit ist nicht nur der Beirat des Kanals, sondern das Endprodukt als solches", stellte Nixey fest. „Wenn der Sender dabei ertappt wird, ein Sprachrohr der Regierung zu sein, dann verdient er keinen Respekt", warnte der Experte.

    Sein Kollege und Medienspezialist des Chatham House, Sam Hardy, verwies darauf, dass es dem neuen Fernsehsender nicht leicht fallen werde, auf dem Medienmarkt Großbritanniens und der USA Fuß zu fassen. „Der Marktanteil von Sky News beträgt nur 0,5 Prozent, während der Anteil von BBC News 24 noch geringer ist", führte er Mediendaten an.

    Hardy fügte hinzu, dass „die Nachrichtengestaltung unter einem neuen, regionalen Blickwinkel der Trumpf von Russia Today werden könnte, denn so etwas gibt es bei keiner britischen oder amerikanischen Anstalt". „Ich weiß, dass die englischsprachigen Nachrichtensendungen von Al-Jazeera, die voraussichtlich im Januar kommenden Jahres auf Sendung gehen sollen, vornehmlich darauf ausgerichtet sind, dass die Leute im Westen an der Stimme des Nahen Ostens interessiert sind", erzählte der Medienexperte. „Das ist es, worauf auch Russia Today Kurs nehmen kann", fügte er hinzu.

    Was die Sende-Inhalte des neuen TV-Kanals angeht, so muss Hardy zufolge der Bildungsaspekt gebührende Aufmerksamkeit finden. Die Vermittlung von Wissen über das neue Russland an die Zuschauer im Westen ist wichtig. „Russland spielt eine bedeutende Rolle in der Weltarena, doch insgesamt ist das Wissen der Menschen über dieses Land außerhalb seiner eigenen Grenzen schwach entwickelt, um nicht zu sagen, deformiert", so der Medienexperte.

    Er geht davon aus, dass der westliche Zuschauer kaum den russischen Sender einschalten werde, um Nachrichten aus aller Welt zu empfangen, doch Aktuelles aus Russland oder die russische Haltung zu diesem oder jenem Ereignis, vor allem in den Nachbarländern, könnte Interesse wecken. „Die russische Sicht auf die kürzlichen Ereignisse in Usbekistan ist ein gutes Beispiel dafür, wie RIA Nowosti Schlagzeilen machen kann", sagte Sam Hardy.

    Der führende Mann der Times für Politik und internationale Beziehungen, Michael Binyon, der viele Jahre in der UdSSR gearbeitet hat, führte gegenüber dem Korrespondenten von RIA Nowosti aus, er habe „mit Interesse vom Start eines 24 Stunden lang sendenden Nachrichtenkanals auf englischer Sprache Kenntnis genommen".

    Binyon wendet jedoch ein, dass „das westeuropäische und amerikanische Publikum schon eine Menge von Nachrichtensendern sehen kann, und einer, der als offizielle Quelle Russlands erscheint, kaum auf Interesse stoßen wird. Wenn überhaupt, dann nur bei Leuten, die sich real für Russland interessieren".

    Außerdem, so meint er, wurde der Zeitpunkt für den Auftakt nicht sehr günstig gewählt, denn er fällt mit dem Start des englischsprachigen Kanals von Al-Jazeera zusammen. „Es mag sein, dass die Dinge in solchen Ländern wie China und Indien gut laufen werden", vermutet der Journalist.