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    „Nesawissimaja gaseta": Krise in Europa schadet Moskau

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    MOSKAU, 08. Juni (RIA Nowosti). Die Krise in Europa entspricht nicht den russischen Interessen, denn die EU ist Russlands wichtigster Handels- und politischer Partner. Moskau wünscht sich keine Destabilisierung westlich der russischen Grenzen, die zu einer politischen Instabilität führen kann, zitiert die „Nesawissimaja gaseta" den Chef des Zentrums für britische Studien am Europa-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, Alexej Gromyko.

    Je stärker die koordinierenden Wirtschafts- und politischen Behörden der Europäischen Union sind, desto leichter habe es Russland, Probleme im Verhältnis mit der gesamten EU und den einzelnen Mitgliedern zu bewältigen, so der Experte. Die EU werde dadurch zu einem voraussagbaren, zuverlässigeren und transparenteren Partner, wobei Russland mehr Spielraum für Manöver zwischen den Machtzentren der Welt bekomme. Die EU-Staaten, und insbesondere die neuen Mitglieder, würden strikt am gesamteuropäischen Werte-System festhalten müssen, unter anderem auch die Rechte der Minoritäten respektieren, was im Hinblick auf den Schutz der Rechte der russischsprachigen Minderheiten in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion besonders schwer ins Gewicht falle.

    Nach dem Scheitern der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden rufen die Skeptiker in Europa auf, die Ratifizierung der EU-Verfassung einzustellen. Weitere Referenden würden ihrer Meinung nach lediglich die EU-Krise vertiefen. Einige prophezeien sogar ein Ende der gemeinsamen europäischen Währung.

    Doch die Gespräche von einer allgemeinen Krise seien nur Panikmache, weit weg von der Realität, meint der Experte. Die Verfassung sei ein ausführliches Dokument, das zahlreiche Kompromisse enthalte. Deshalb werde das vereinigte Europa in absehbarer Zeit auf der Grundlage der bereits getroffenen Entscheidungen weiterbestehen. Nach dem Beitritt der zehn neuen Mitglieder in Zentral- und Osteuropa werde die EU jedoch künftig kaum effektiv funktionieren können, so Gromyko nach Angaben der „Nesawissimaja gaseta".

    Das Paradoxon bestehe darin, dass der Ratifizierungsprozess dem Wunsch vieler Europäer zum Opfer fiel, ihre Regierungen zu ärgern, oder dem geringen Wissen des Dokuments, so der Experte. In Wirklichkeit handele es sich jedoch um ein ausgewogenes Dokument. Ohne ein solches Dokument in seiner jetzigen oder einer überarbeiteten Form könne Europa kein wirtschaftliches und politisches Machtzentrum in der Welt werden.

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