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    "Gaseta": China greift nach dem Erdöl des Kaspisees

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    MOSKAU, 09. Juni (RIA Nowosti). China beginnt eine Ressourcenbasis aufzubauen, um die Spitzenposition beim Ölimport zu übernehmen. Die chinesische Ölholding CNOOC gab am Donnerstag die Absicht bekannt, die amerikanische Ölgesellschaft Unocal zu kaufen. Dieses Geschäft könnte Russlands Interessen betreffen, weil Unocal größere Aktiva im Raum des Kaspisees hat, schreibt die Tageszeitung „Gaseta" am Donnerstag.

    Vor kurzem erwarb Unocal Anteile an mehreren Projekten auf dem asiatischen Markt, darunter 8,9 Prozent an der Pipeline Baku - Tiflis - Ceyhan, über die das auf dem Kaspisee-Schelf geförderte aserbaidschanische Erdöl auf ausländische Märkte exportiert wird.

    Diese Route könnte für China von Vorteil sein. Der Ölimport in die VR China ist in den letzten Jahren um 50 Prozent auf 90 Millionen Tonnen im Jahr gestiegen. Bis 2010 wird sich der Import verdoppeln, und 2030 soll die VR China die Spitzenposition beim Ölimport in der Welt übernehmen und die USA überholen, die 300 Millionen Tonnen Öl im Jahr kaufen.

    Die Zeitung verweist darauf, dass auch Russland einen Teil des chinesischen Marktes für sich haben will. Die endgültige Entscheidung über den Bau der Ostpipeline (von den Lagerstätten in Ostsibirien bis zur Pazifikküste Russlands im Raum der Hafenstadt Nachodka) mit einer Abzweigung in Richtung China (Stadt Daqin) wurde aber erst Ende 2004 getroffen. Die Röhre wird laut Versprechungen der russischen Beamten (alle Ölfernleitungen in Russland werden vom Staatsmonopol Transneft kontrolliert) erst gegen 2008 fertiggestellt. Bis dahin wird CNOOC durch Unocal einen Teil der Nische auf dem chinesischen Markt einnehmen, auf die Russland hätte Anspruch erheben können.

    Es wäre allerdings noch verfrüht, CNOOC als einen ernsthaften Konkurrenten zu betrachten. Ob die Chinesen Unocal erwerben, ist noch fraglich. Washington könnte dieses Geschäft aus mehreren Gründen nicht billigen. So sind die Amerikaner davon überzeugt, dass die chinesischen Unternehmen beim Entwicklungstand der Industriespionage führend sind. Es wäre insofern ein Fehler, einen derart ernsthaften Akteur auf den Binnenmarkt hineinzulassen (35 Prozent der Unocal-Aktiva liegen in den USA). Außerdem gehört auch ChefronTexaco, eines der größten amerikanischen Ölgigangen, zu Kandidaten auf den Unocal-Erwerb. Im April hatte die Holding rund 16 Milliarden Dollar für Unocal geboten. Deshalb sind Experten geneigt, die Bekundung des CNOOC-Interesses an Unocal eher als eine „Sondierung" der Chinesen aufzufassen. Höchstwahrscheinlich wird Peking auf seinem Kontinent, darunter auch in Russland, nach Ressourcen suchen, die den Bedarf Chinas decken würden.

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