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    Jewgeni Adamow auf russischen Antrag in der Schweiz „doppelt" verhaftet

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    GENF, 09. Juni (RIA Nowosti). Der Ex-Minister für Atomenergie Russlands, Jewgeni Adamow, der Anfang Mai auf Antrag des USA-Justizministeriums in der Schweiz verhaftet worden war, ist formell noch einmal verhaftet worden - diesmal auf Auslieferungsantrag der russischen Seite.

    Das teilte der Presseattaché der russischen Botschaft in Bern, Igor Petrow, am Donnerstag gegenüber der RIA Nowosti mit.

    Die russische Botschaft hat am Donnerstag vom Bundesamt für Justiz der Schweiz einen Bescheid darüber bekommen.

    „Wir haben einen Brief erhalten, dem zufolge Adamow jetzt wieder den Status eines Verhafteten hat, und zwar auf unseren Antrag hin", informierte Petrow.

    „Das ändert eigentlich nichts, das Wichtigste ist, was das Bundesstrafgericht in Bellinzone dazu sagen wird", fügte der Presseattaché hinzu.

    Das schweizerische Bundesstrafgericht in Bellinzone prüft zurzeit die Beschwerde der Anwälte Adamows über die Unrechtmäßigkeit seiner Verhaftung in der Schweiz, die auf Antrag aus den USA erfolgte.

    Die Anwälte hatten noch am 17. Mai Berufung gegen die Handlungen des Bundesamtes für Justiz eingelegt, das die Verhaftung des Ex-Ministers für Atomenergie in Bern genehmigt hatte.

    Die Anwälte bestehen darauf, dass das schweizerische und das Völkerrecht mit der Verhaftung Adamows verletzt würden. Wenn dies bewiesen werden sollte, soll Adamow aus der Haft entlassen werden. Dann würde er als freier Mensch nach Russland zurückkehren können.

    Jetzt, wo Adamow auf russischen Antrag formell verhaftet wurde, kann sich die Situation ändern. Sollte das Gericht in Bellinzone die Verhaftung Adamows auf den USA-Antrag hin als ungesetzlich befinden, würde er trotz alledem im Gefängnis bleiben - entsprechend dem russischen Antrag.

    Der 66-jährige Adamow, der das Ministerium für Atomenergie in den Jahren 1998 bis 2001 geleitet hatte, wurde am 2. Mai in Bern auf Antrag des USA-Justizministeriums festgenommen. Die amerikanische Seite hat allerdings noch keinen formellen Auslieferungsantrag eingereicht. Die Antragsmöglichkeit besteht noch bis zum 30. Juni dieses Jahres.

    Der russische Antrag auf die Rücküberstellung Adamows ist am 17. Mai in der Schweiz eingegangen. Der Grund für die Antragstellung war ein Haftbefehl, der vom Moskauer Basmanny-Bezirksgericht am 14. Mai ausgestellt worden war. Die Generalstaatsanwaltschaft Russlands hat gegen Adamow ein Untersuchungsverfahren wegen Betrugs und Überschreitung der Dienstbefugnisse eingeleitet.

    Die Entscheidung über die Auslieferung Adamows wird von den schweizerischen Behörden erst getroffen, wenn ein formeller Auslieferungsantrag von den USA gestellt worden ist.

    Nach dem Erhalt des USA-Auslieferungsantrages wird das Bundesamt für Justiz der Schweiz die Entscheidung treffen, wessen Antrag - der russische oder der amerikanische - vorrangig ist.

    Die USA-Behörden beschuldigen Adamow und seinen Geschäftspartner, den USA-Bürger Marc Kaushansky, der Unterschlagung von neun Millionen US-Dollar, die die USA-Regierung Russland zur Verwirklichung nuklearer Sicherheitsprojekte bereitgestellt hatte.

    Dem russischen Ex-Minister drohen in den USA 60 Jahre Gefängnis und eine Strafe von 1,75 Millionen US-Dollar.

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