00:48 23 Oktober 2017
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    "Wedomosti": Investoren nehmen Putins neuen Kurs unter die Lupe

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    MOSKAU, 10. Juni (RIA Nowosti). Der neue Kurs Wladimir Putins zwingt die Investoren, nach einer neuen Antwort auf die Frage "Who ist Mr. Putin?" zu suchen. Die bisherige Antwort - "ein westlich orientierter Reformer" - gilt nun als falsch. Zwar ruft das Image eines Politikers, der von seinen Ratings besessen ist und an die Allmacht des Fernsehens glaubt, bei den Beobachtern keinen besonderen Enthusiasmus hervor, sie glauben dennoch weiterhin daran, dass man in Russland gutes Geld verdienen kann, schreibt die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Freitag.

    Vor drei Jahren schien es noch, dass die Antwort auf die ursprünglich im Winter 2000 in Davos gestellte Frage "Wer ist Herr Putin?" ein und für allemal gegeben ist. Von Wirtschaftsexperten wurde er als "westlich orientiert" und als Anhänger von Reformen angesehen. Sie ließen sich weder vom Krieg in Tschetschenien, noch vom Kampf des Kremls gegen die Oligarchen Boris Beresowski und Wladimir Gussinski irritieren. Die Vernichtung der Ölfirma Yukos und die Verurteilung der früheren Yukos-Besitzer Michail Chodorkowski und Platon Lebedew wie auch die gewachsenen Aktivitäten der Steuerbeamten und die Abschaffung der Gouverneurswahlen zwangen aber die Investoren zum Nachdenken.

    Die Investorengemeinschaft beurteilt nun Putins Handlungen zynischer. Dem Analytiker Rory McFarchar aus der Investmentbank Goldman Sachs fiel kürzlich ein, wie die Kluft zwischen den liberalen Erklärungen des Präsidenten und seinen antiliberalen Handlungen zu erklären ist: "Putin respektiert den Technokratismus der liberalen Experten, die Reden für ihn vorbereiten - wir bezeichnen sie als ‚Putins Kopf". Sein ‚Herz' gehört aber einer völlig anderen Gruppe von Beamten mit einem nationalistischen Herangehen an die Außenpolitik und einem autoritären Blick auf die Wirtschaft."

    Putins neue Mythologie bringt jedoch die Investoren nicht davon ab, in Russland Geld anzulegen. "Die Demokratie ist eine Sorge von Journalisten, für die Geschäftsleute ist aber das Verhältnis zwischen Gewinn und Risiko wichtig", sagt Peter Kölle, geschäftsführender Direktor für den GUS-Raum der deutschen HypoVereinsbank. Und Peter Vestin aus der Investmentgesellschaft Aton behauptet: Trotz aller Marotten der Staatsführung wird Russland für ausländische Investoren immer attraktiver: "Die Reformen gehen zwar langsam, aber kontinuierlich voran."