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    Schweizer Gericht erklärt die Verhaftung des russischen Ex-Ministers für Atomenergie für ungesetzlich

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    GENF, 10. Juni (RIA Nowosti). Das Bundesstrafgericht der Schweiz erklärte die Verhaftung des Ex-Ministers für Atomenergie Russlands, Jewgeni Adamow, für ungesetzlich und beschloss, ihn aus der Haft zu entlassen, teilte Stefan Wehrenberg, schweizerischer Rechtsanwalt Adamows, am Vortag der RIA Nowosti mit. Das Gericht in der Stadt Bellinzona erkannte an, dass die Verhaftung Adamows Völkerrechtsnormen verletzt, und beschloss, ihn nicht nur aus der Haft zu entlassen, sondern auch Schadensersatz zu leisten.

    Das Gericht gab der internationalen Gesetzgebung, wonach die Unantastbarkeit ausländischer Zeugen garantiert ist, den Vorrang vor den Verpflichtungen der Schweiz, Personen ans Ausland auszuliefern, nach denen gefahndet wird.

    Adamow war freiwillig zu den schweizerischen Ermittlern gekommen, um im Fall seiner Tochter Irina Adamowa auszusagen. Gegen sie wird in der Schweiz wegen angeblicher Geldwäsche ermittelt.

    Somit gab das Bundesstrafgericht am Donnerstag einer Beschwerde der Rechtsanwälte Adamows vom 17. Mai gegen die Handlungen des Bundesjustizamtes der Schweiz statt, welches die Verhaftung des Ex-Ministers in Bern sanktioniert hatte.

    Allerdings bleibt Adamow weiter in Haft, denn das Bundesjustizamt wandte sich schon an das Bundesstrafgericht mit einer Bitte, seine Freilassung aufzuschieben, bis es beim Gericht der obersten Instanz - dem Bundesgericht in Lausanne -Berufung einlegt.

    Die Rechtsanwälte bestritten vor Gericht die Gesetzlichkeit der ersten Verhaftung des Ex-Ministers für Atomenergie am 2. Mai nach einem US-Antrag. Aber am Donnerstag wurde bekannt, dass Adamow wiederum, nunmehr wegen eines russischen Auslieferungsantrags, verhaftet wurde.

    Somit bleibt Adamow, ungeachtet der Entscheidung des Gerichts in Bellinzona, im Gefängnis.

    Auf der Grundlage des russischen Antrages auf Adamows Auslieferung verfügte das Bundesjustizamt am 7. Juni einen Haftbefehl. Die Rechtsanwälte Adamows schließen nicht aus, dass auch gegen diese Verhaftung beim Bundesstrafgericht Beschwerde eingelegt wird. Wenn beide Verhaftungen Adamows für ungesetzlich erklärt werden, so wird er freigelassen.

    Das Moskauer Stadtgericht erklärte seinerseits am Donnerstag den Haftbefehl des Moskauer Basmanny-Gerichts für Adamow für gesetzlich und weigerte sich, der Beschwerde seines russischen Rechtsanwalts, Timofej Gridnew, stattzugeben.

    Adamow, der in den Jahren 1998-2001 das Ministerium für Atomenergie der Russischen Föderation geleitet hatte, wurde am 2. Mai in Bern nach einem Antrag des US-Justizministeriums verhaftet. Die USA haben bislang keinen formalen Auslieferungsantrag gestellt, können dies aber bis zum 30. Juni dieses Jahres tun.

    Den russischen Auslieferungsantrag bekam die Schweiz am 17. Mai. Grund für den Antrag ist der Haftbefehl des Moskauer Basmanny-Gerichts vom 14. Mai.

    Die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation leitete ein Strafverfahren gegen Adamow wegen Betrugs und Überschreitung der Amtsbefugnisse ein.

    Die US-Behörden beschuldigen Adamow und seinem Geschäftspartner, Mark Kaushansky (ein Bürger der USA), der betrügerischen Aneignung von 9 Millionen US-Dollar, die Russland von der US-Regierung für Projekte der Nuklearsicherheit bereitgestellt worden waren.

    In den USA drohen Adamow 60 Jahre Freiheitsentzug und eine Strafe von 1,75 Millionen US-Dollar.

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