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    "Rossijskaja Gaseta": Baltische Länder entwickeln neues System von Forderungen an Russland

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    MOSKAU, 15. Juni (RIA Nowosti). Die Regierungen der Ostseeländer erwägen die Möglichkeit, Forderungen auf Entschädigungen für die "sowjetische Besatzung" bei allen Verhandlungen zu stellen, an denen Russland teilnehmen wird. Das schreibt die Tageszeitung "Rossijskaja Gaseta" am Mittwoch.

    "Wenn wir dieses Thema gemeinsam anschneiden und nach Wegen suchen werden, mit Russland als dem Rechtsnachfolger der UdSSR eine Vereinbarung durchzusetzen, wird es vielleicht auch gelingen, Ergebnisse zu erzielen", erklärte Litauens Premier Algirdas Brazauskas in einem Interview für den litauischen Rundfunk.

    Das Problem der Entschädigungen lasse sich nicht mit Resolutionen regeln. "Solche Fragen werden bei Verhandlungen und Gesprächen sowie mit Abkommen und unter Beteiligung internationaler Organisationen geregelt, deren Mitglieder sowohl Litauen als auch Russland sind", betonte der Regierungschef.

    Seine Erklärung im Rundfunk fiel mit dem 64. Jahrestag der ersten stalinschen Deportation der baltischen Völker nach Sibirien und mit dem Datum der Eingliederung Litauens in die UdSSR zeitlich zusammen.

    Bereits 2000 hatte das litauische Parlament ein Gesetz "Über die Entschädigung für die Besatzung durch die UdSSR" verabschiedet. Damit wurde die Regierung beauftragt, die Höhe der Entschädigung festzulegen, eine Verhandlungsdelegation zu bilden und sich an Russland mit diesen Forderungen zu wenden. Inzwischen wurde beschlossen, dass Litauen von Russland mehr als 20 Milliarden Euro fordern soll.

    Michail Margelow, Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates, betonte in seiner in der "Rossijskaja Gaseta" veröffentlichten Stellungnahme zur Erklärung Brazauskas', dies passe zur Taktik der kleinen Stiche, die darauf gerichtet seien, gegenseitig vorteilhafte Beziehungen Russlands mit der EU zu erschweren.

    "Der frühere Kommunist aus Litauen fördert den Jagdinstinkt beim nahezu gesamten Osteuropa, das als Folge der Alliiertenvereinbarungen von Jalta unter den sowjetischen Einfluss gekommen war", so Margelow. "Entsprechend dieser Logik sollten die USA über die im Rahmen des Marschall-Plans bereitgestellten Mittel hinaus die westeuropäischen Länder auch noch ein wenig entschädigen."