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    Politologe: Scheitern der europäischen Verfassung ist eine Chance für Russland

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    MOSKAU, 16. Juni (RIA Nowosti). Die europäische Integration ist ein geopolitischer Prozess, der eine Kombination von zwei recht unterschiedlichen Entwicklungsrichtungen darstellt. Die zunehmenden Widersprüche zwischen diesen beiden Richtungen verursachten auch die jetzige europäische Krise. Dank dieser Krise könnten sich aber die geopolitischen Positionen Russlands beträchtlich festigen.

    Diese Meinung äußerte Alexander Dugin, Leiter des Zentrums für geopolitische Expertisen und Chef der Internationalen Eurasischen Bewegung, in einem am Donnerstag in der regierungsnahen „Rossijskaja Gaseta" veröffentlichten Interview.

    In der Anfangsetappe in den 60er und den 70er Jahren war der Prozess der europäischen Integration ausschließlich im Rahmen der Atlantismus-Strategie - unter der USA-Ägide und im Interesse der NATO - vorbereitet worden, führte Dugin weiter aus. Es ging um eine Konsolidierung der westlichen Welt angesichts der „sowjetischen Bedrohung". Dies war eine Etappe des strategischen Plans der dualen Logik des Kalten Krieges - der kapitalistische Atlantismus gegen das sozialistische Eurasien. Die Trägheitskraft dieser NATO-Version des Europäismus wirkt auch heute. Diese Erscheinung lässt sich als Euroatlantismus bezeichnen.

    In diesem Prozess spielen die USA und deren engster europäischer Verbündeter Großbritannien sowie die neuen EU-Mitgliedsländer Osteuropas und des Baltikums, die nicht ohne Druck der USA aufgenommen wurden, eine dominierende Rolle. Der Euroatlantismus bestimmt die weitere NATO-Osterweiterung voraus und folgt dem traditionellen Kurs der Geopolitik des Kalten Krieges, allerdings ohne ideologische Belastung.

    Die Euroatlantisten sind bestrebt, die Zahl der „neuen europäischen" Mitglieder, die von Washington voll abhängig sind und jegliches euroasiatische Streben hassen, mit allen Mitteln zu vergrößern. Damit wollen sie die amerikanische Kontrolle über die EU festigen und diesen Raum in den Bereich ihres direkten Einflusses umwandeln.

    Um die Achse Paris-Berlin entstand aber im Zuge der europäischen Integration allmählich eine alternative Identität. Diese Erscheinung lässt sich als Eurokontinentalismus bezeichnen.

    Das Wesen des Eurokontinentalismus besteht darin, dass dort das geeinte Europa nicht als ein USA-Satellit, sondern als ein selbständiges geopolitisches und historisches Subjekt angesehen wird. Der Eurokontinentalismus lehnt die Logik des Kalten Krieges und den Eurasien-Hass ab.

    Deshalb machten die Franzosen bei dem jüngsten Referendum ihre Wahl nicht gegen Europa, sondern gegen ein proamerikanisches und ein antieurasisches Europa, so Dugin.

    Der Schlag der Franzosen gegen den Euroatlantismus ist für Russland äußerst vorteilhaft. Von jetzt an ist unseren „orangefarbenen" Opponenten in der GUS die Chance für eine schnelle Integration in die EU genommen worden. Der Euroatlantismus ist geschwächt, dementsprechend festigten sich auch die Positionen Russlands.

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