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    Experte: Russland kann selbständig keine größeren Passagierflugzeuge mehr bauen

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    MOSKAU, 17. Juni (RIA Nowosti). Russland „hat im Grunde genommen keine Möglichkeit mehr, selbständig bedeutende Passagierflugzeuge zu bauen". Das stellte Michail Kusmenko, Generalkonstrukteur und technischer Direktor der Forschungs- und Produktionsvereinigung „Saturn", eines der größten Unternehmen der Branche, am Freitag in der „Wremja Nowostej" fest. „Möglichkeiten, selbständig ein vollwertiges modernes Triebwerk für eine Passagiermaschine zu bauen, haben wir ebenfalls keine."

    „Wir könnten zwar einen Prototyp herstellen, würden aber kaum in der Lage sein, es selbständig zu einem Marktprodukt zu machen", führte er weiter aus. Die Situation könnte sich nur ändern, wenn der Staat Ressourcen dafür finden würde. „Es gibt Möglichkeiten bei den Erzeugnissen militärischer Bestimmung, die ihrer Natur wegen in erster Linie für Inlandslieferungen bestimmt sind", sagte er. „Aber auch diese Möglichkeiten werden immer geringer, weil die Militärtechnik hauptsächlich exportiert wird."

    Um eine international konkurrenzfähige Triebwerksfirma zu bleiben, muss eine Diversifizierung vorgenommen werden, sagte der „Saturn"-Chef. Man muss sich nicht nur mit der Produktion des Antriebs an sich, sondern mit dem gesamten Komplex an Dienstleistungen befassen, die der Besteller braucht.

    Ein Vorteil der russischen Industrie, den man vor einiger Zeit hätte realisieren können, „bestand in einem relativ niedrigen Wert der Erzeugnisse, der dank geringer Löhne, billigem Strom und preiswerter Werkstoffe erzielt wurde". Nun ist aber diese Reserve weitgehend ausgeschöpft. „Natürlich wird ein Fachmann vom Weltniveau bei uns nicht für ein paar Groschen arbeiten", so Kusmenko. „Die Energie- und die Werkstoffpreise übertreffen bei uns inzwischen die Weltmarktpreise. Dieser Vorteil wurde verpasst, seine Zeit ist endgültig vorbei."