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    "Nesawissimaja Gaseta": Kreml wirbt für Sympathie der Jugend

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    MOSKAU, 22. Juni (RIA Nowosti). Die zunehmende Häufigkeit der Begegnungen von Präsident Wladimir Putin mit jungen russischen Bürgern zeugt davon, dass dieses soziale Segment zu einer der wichtigsten Zielgruppen wird, auf die sich der Kreml in erster Linie orientiert, schreibt die Tageszeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Mittwoch.

    Bis jetzt hatte Putin zwei Publikumsgruppen, die er besonders mochte: die Rentner und Veteranen sowie Wissenschaftler, Kultur- und Kunstschaffende. Die erste Gruppe bildet die bedeutendste Wählerschaft. Die zweite Gruppe ist die einflussreichste. Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die heute 16-jährigen 2008 Wähler werden. In diesem Jahr haben rund 1,4 Millionen Einwohner Abitur gemacht.

    Nach Ansicht von Stanislaw Belkowski, Direktor des Instituts für nationale Strategie, sind die zunehmenden Aktivitäten des Staatschefs an der "Jugendfront" damit verbunden, dass der Kreml wegen der massiven Beteiligung der Jugend an Revolutionen im postsowjetischen Raum erschrocken ist. "Außerdem kann der Kreml immer noch nicht das Geheimnis der Nationalbolschewistischen Partei aufdecken, die, ohne Geld zu haben, die Jugend mit rein ideologischen Mitteln anzieht", so der Experte. Der Kreml versuche einfach, alle erfolgreichen Losungen anderer Projekte aufzufangen und daraus etwas Eigenes zu machen.

    Belkowski ist dennoch zuversichtlich, dass dies zu nichts führen würde, weil die Macht die Motivation der Jugendlichen nicht begreift. "Sie glaubt, dass die Motivation merkantiler Art ist, weil all diese ‚Naschi' (eine Kreml-loyale Jugendorganisation) bezahlt werden. Ohne Geld würde von denen niemand auf die Straße gehen. Und wenn, dann im entscheidenden Moment nicht auf der Seite des Kremls", so der Politologe.

    Dmitri Rogosin, Chef der linkspatriotischen Partei "Rodina" (Heimat), ist der Auffassung, dass die Kreml-Administration bereits jetzt beginnt, Versuche der Opposition zu unterbinden, Wahlergebnisse anzufechten. "Den Einsatz von Wasserwerfern und Panzern würde die internationale demokratische Gemeinschaft nicht akzeptieren", so der Abgeordnete. "Wenn aber die Jugend auf die Straße gehen wird, so wird das durchaus überzeugend wirken."