23:22 18 Januar 2017
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    "Nesawissimaja Gaseta": Warum erreichen russische Satelliten nicht ihre Umlaufbahn?

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    MOSKAU, 23. Juni (RIA Nowosti). Mit dem Absturz des militärischen Fernmeldesatelliten „Molnija-3K" haben Russlands Streitkräfte einen weiteren Misserfolg im Weltraum erlitten. Am Mittwoch verschwand der experimentelle russisch-amerikanische Satellit „Kosmos-1" („Sonnensegel"). Die Ursache des Scheiterns liegt wahrscheinlich darin, dass die Trägerrakete, die den Satelliten zur Umlaufbahn bringen sollte, ihre Ressource lange vor dem Start am Mittwoch ausgeschöpft hat, schreibt die Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Der Satellit war vom Atom-U-Boot „Borissoglebsk" mit einer Trägerrakete des Typs „Wolna" gestartet worden, einer Konversionsvariante der strategischen interkontinentalen Rakete des Typs RSM-50 (SS-N-18). In der 83. Flugsekunde setzte der Raketenantrieb von selbst aus.

    Die interkontinentalen Raketen, die aus dem Einsatzbestand der Flotte und der strategischen Raketenstreitkräfte ausgegliedert wurden, kann man zwar wie üblich verschrotten, man kann sie aber auch gemäß dem Vertrag über die Reduzierung der strategischen Offensivrüstungen „verschießen". Das versuchen die Militärs auch zu tun, indem sie kommerzielle Starts der Konversionsraketen übernehmen. Der erste Versuchsstart fand 1995 statt, seitdem ließ sich aber an den Weltraumdienstleistungen nicht wirklich viel verdienen.

    An den Misserfolgen der Weltraumprojekte sind die U-Boot-Mannschaften am wenigsten schuld. Die Raketen starten in der Regel durchaus erfolgreich. Zu Störungen kommt es später, und hier wird die Schuld der Technik offensichtlich. Die Konversionsraketen scheinen ihre Ressource ausgeschöpft zu haben, und die künftigen Starts werden kaum erfolgreicher sein. Das „Makejew"-Konstruktionsbüro, das diese Rüstungen entwickelt hat, steht am Rande einer Liquidierung. Diesem spezialisierten Büro wurden Aufträge für die Entwicklung von U-Boot-gestützten Raketen weggenommen und dem Moskauer Institut für Wärmetechnik übergeben, das sich bislang nur mit landgestützten Raketen befasst hatte. Das Institut ist vorerst nicht in der Lage, die neue Rakete vom Typ „Bulawa" herzustellen, während das Verteidigungsministerium die alten RSM-50- und RSM-54-Raketen nicht mehr bestellt.

    Als Folge fällt die Seekomponente aus Russlands Kernwaffentriade aus. Die U-Boote sind zwar weiterhin mit Raketen bestückt, man kann aber nicht mehr sicher sein, dass diese wirklich in die richtige Richtung fliegen und die Gefechtsköpfe nicht irgendwo im Raum zwischen Perm und Kamtschatka verlieren.