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    "Iswestija": Stellt China eine territoriale Bedrohung für Russland dar?

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    MOSKAU, 01. Juli (RIA Nowosti). Eine massive Erschließung Sibiriens und des Fernen Ostens Russlands durch Chinesen ist bereits im Gange. Einige Beobachter schließen nicht aus, dass es über kurz oder lang keine Russen in diesen Regionen mehr geben wird. Die Situation wird am Freitag von Experten und Politikern in der „Iswestija" kommentiert.

    Sergej Darkin, Gouverneur der Region Primorje: Dies ist ein ausgedachtes Problem. Die VR China ist unser Nachbar und ein wichtiger strategischer Partner. Auf die Region Primorje entfallen zehn Prozent des gesamten Warenumsatzes Russlands mit diesem Land. Wir bemühen uns aktiv um eine Vergrößerung dieses Umfangs. Beide Seiten unternehmen gegenwärtig Schritte zur Entwicklung des visafreien Grenzhandels. In den beiden angrenzenden Provinzen Chinas leben in der Tat 140 Millionen Menschen und in der Region Primorje zwei Millionen. Die Situation wird aber umfassend kontrolliert, von einer Bedrohung für diese Gebiete ist keine Rede. Zu uns kommen jährlich 140 000 chinesische Touristen und 10 000 Gastarbeiter.

    Fjodor Schelow-Kowedjajew, Professor der Wirtschaftshochschule: Die VR China stellt zweifellos eine überaus ernsthafte Herausforderung nicht für Russland, sondern für die gesamte euroatlantische Zivilisation dar. Die Formel vom Reich der Mitte, das das Mandat des Himmels habe, die ganze Welt zu regieren, hat China niemals beiseite gelegt, wenn es das auch nicht deklariert. Sobald es stark genug ist, wird dieses Ideologem allen vorgewiesen. China gibt sich nur für ein pragmatisches Projekt aus, das Schritte zur Modernisierung im westlichen Geist unternimmt. Heute gibt es mehrere Hundertmillionen chinesischer Emigranten, die im ganzen Land Geschäfte betreiben und nur China gegenüber loyal sind. Früher oder später wird dieses Land Kontrolle über die russischen Ressourcen brauchen.

    Boris Resnik, Staatsduma-Abgeordneter von der Region Chabarowsk: Direkt bedroht uns China vorerst nicht, seine stille Expansion ist aber Realität. Der russische Ferne Osten ist praktisch nicht besiedelt: Bis 1995 zählten die 13 Subjekte der Russischen Föderation dort rund sieben Millionen Einwohner. In den darauf folgenden zehn Jahren zogen 1,2 Millionen weg. Immer mehr Chinesen kommen in diese Gebiete. Sie lassen sich gründlich nieder: übernehmen Lebensmittel- und Industriewarenmärkte und eröffnen Restaurants. Chinesische Händler gibt es mehr als russische. Es ist nicht unbedingt notwendig, mit Waffen zu drohen: Wenn wir der Erschließung und der Entwicklung des Fernen Ostens keine Aufmerksamkeit schenken, wird sich die VR China dort durchaus ernsthaft breit machen.

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