13:36 23 Januar 2017
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    "Wedomosti": Kiew droht Moskau mit nichtsanktionierter Entnahme von Exportgas

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    MOSKAU, 05. Juli (RIA Nowosti). Alexej Iwtschenko, Stellvertretender Minister für Brennstoff- und Energiewirtschaft der Ukraine, hat die Drohung geäußert, Kiew könnte einen Teil vom russischen Gas, das für den Export nach Europa bestimmt ist, ohne Rücksicht auf die russischen Verträge mit dem westlichen Kunden entnehmen, berichtet die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" am Dienstag.

    Die Intrige besteht darin, dass Gasprom einen Teil seines Erdgas' in ukrainischen Depots als Vorrat zurückhält und zur Spitzenzeit dann nach Europa liefert. Im Winter wollte Gasprom auf diesem Wege 7,8 Milliarden Kubikmeter in die Slowakei exportieren, Kiew teilte allerdings mit, dass der Brennstoff nicht geliefert werde.

    Dann forderte der Gasprom-Chef Alexej Miller die Ukrainer auf, diesen Verlust zum europäischen Preis von 160 Dollar pro 1000 Kubikmeter zu bezahlen, Iwtschenko aber, der zugleich auch das Unternehmen Naftogas Ukraine leitet, meinte, 60 Dollar würden ausreichen. Als Variante wäre er bereit, das Gas im Laufe von vier Jahren zurückzuerstatten. So wird in Kiew offenbar ein Kompromiss verstanden, schreibt die Zeitung.

    Um den Knoten zu zerschlagen, ließ Miller das verschwundene Gas als Bezahlung des Gastransits nach Europa anrechnen. Jetzt bekommt die Ukraine 23 Milliarden Kubikmeter, damit wird aber dieser Umfang auf 15,2 Milliarden Kubikmeter reduziert. Das löste bei Kiew Entrüstung aus.

    In den 90er Jahren hatten sich die ukrainischen Nachbarn an den nicht gestatteten Gasentnahmen eine goldene Nase verdient. In ihrer Amtszeit als Vizeregierungschefin behauptete die jetzige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, 2001 seien 12 Milliarden Kubikmeter gestohlen worden. Russland blieben aber Schulden in Höhe von Dollarmilliarden übrig. Als Hauptrichtung der wirtschaftlichen Entwicklung wählte die heutige Ukraine einen EU- und WTO-Beitritt. In der EU gehört es sich aber nicht, fremde Waren zu klauen, stellt die "Wedomosti" fest.

    Der Beamte Iwtschenko ist ein unmittelbarer Günstling von Frau Timoschenko. In diesem Kontext sieht die neue ukrainische Elite zumindest merkwürdig aus. Sie versteht sich bereits als einen Teil des zivilisierten Europa, bei den praktischen Handlungen erinnert sie aber eher an einen Schlingel.

    Dabei ist die Lage der Ukraine nicht ausweglos. Die Brennstoffbalance lässt sich beispielsweise mit einem Verzicht auf den Export von 5,2 Milliarden Kubikmeter wiederherstellen, umso mehr als die eigene Förderung des Landes nur einem Viertel der Lieferungen Russlands und Turkmeniens entspricht. Auch Gasprom wäre bereit, zusätzliche Gasmengen zu liefern. Natürlich würde dies dem Haushalt mehr kosten, käme aber auf jeden Fall billiger zu stehen als ein Verlust des guten Rufes. Von Klärungen in den europäischen Gerichten würde die Ukraine auf jeden Fall nicht profitieren.

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