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    Russische Politiker sehen den "Fall Kasjanow" im Kontext künftiger Wahlen

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    MOSKAU, 11. Juli (RIA Nowosti). Russische oppositionelle Politiker entdecken einen auf die Wahlen hinzielenden unausgesprochenen Sinn im Erscheinen eines Strafverfahrens, in dem der Name des russischen Ex-Regierungschefs Michail Kasjanow vorkommt.

    Der 47-jährige Kasjanow erklärte ein Jahr nach seinem Rücktritt (Februar 2004), er wolle sich aktiv an der Politik beteiligen, und schloss nicht aus, dass er sogar an der Präsidentschaftswahlkampagne von 2008 als Kandidat einer breiten Opposition auftreten werde.

    "Das ist ein für Russland übliches Vorwahl-Schema: die potentiellen Anwärter schon auf fernen Zugängen zu kompromittieren", sagte der Abgeordnete der Staatsduma Nikolai Charitonow, der auf die Erfahrungen der Präsidentschaftskampagne von 2004 zurückblicken kann. Damals war er Kandidat der Kommunistischen Partei und stand gleich hinter dem künftigen Präsidenten Putin (14 Prozent der Stimmen gegen 52,8 Prozent bei Putin).

    "Möglich ist, dass Kasjanow einfach eingeschüchtert wird: Er wird tatsächlich einer der Schlüsselfiguren der Wahlkampagne von 2008 sein, wenn er sich natürlich zu kandidieren entschließt", sagte Leonid Gosman, der Mann Nr. 2 in der Union der Rechtskräfte".

    Er vermutet, dass seine Union einen solchen "konsolidierenden" Kandidaten bei den künftigen Wahlen unterstützen könnte, auch wenn er ihm keinen Sieg prophezeit.

    "Wenn die Macht aber tatsächlich die Absicht hat, einen umfassenden Krieg gegen den Ex-Ministerpräsidenten Kasjanow zu beginnen, wird dies Russlands Image noch schwerer anschlagen als der Fall Yukos", meint Gosman.

    "Die Einleitung eines Strafverfahrens gegen Kasjanow hängt mit seinen Präsidentschaftsambitionen zusammen", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Duma-Sicherheitsausschusses Viktor Iljuchin (KP der Russischen Föderation). Er verweist darauf, dass das Verfahren gegen Kasjanow judikative Begründungen habe.

    Wie Iljuchin sagte, habe vor einigen Monaten eine Gruppe von Abgeordneten bereits eine Anfrage an die Generalstaatsanwaltschaft gerichtet, die mit Kasjanows Tätigkeit zusammenhing. Seinen Worten zufolge habe die Anfrage die Anlegung eines gewissen Finanzfonds betroffen.

    "Es wird noch mehrere Episoden geben, auf deren Grund Kriminalfälle gegen Kasjanow eingeleitet werden könnten", meint Iljuchin.

    Viele Politiker, darunter an der liberalen Flanke, beeilen sich nicht damit, ihre Einstellung zum "Fall Datsche" zum Ausdruck zu bringen.

    "In Russland werden Strafverfahren zu Tausenden angestrengt und zu Tausenden aus unerklärlichen Gründen fallen gelassen. Die Fälle dieser Art können sich zu politischen, zu Korruptionssachen entwickeln - oder auch im Sande verlaufen. Ich möchte keine überstürzten Schlüsse ziehen", sagte Wladimir Ryschkow, der die Liberalen aufruft, sich auf der Basis einer reorganisierten Republikanischen Partei zu vereinigen.

    Kasjanow, der sich als potentieller Exponent der vereinigten Opposition positioniert, hat bei den oppositionellen Parteien noch keine offene Unterstützung gefunden; eine Ausnahme bildet die Union der Rechtskräfte, die eine Zusammenarbeit mit der Macht nicht ablehnt.

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