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    Europäischer Gerichtshof versagte Kriegsveteran vordringliche Behandlung seiner Klage gegen Lettland

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    MOSKAU, 12. Juli (RIA Nowosti). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte versagte einem schwer kranken Kriegsveteranen des Zweiten Weltkrieges die vordringliche Behandlung seiner Klage gegen Lettland, teilte der Rechtsvertreter des Betroffenen, Michail Joffe, in einem Interview für RIA Nowosti mit.

    Er berichtete, dass das Straßburger Gericht schon zehn Monate lang die Verhandlung der Klage gegen Lettland, wo Kononow wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde, hinauszögert.

    Kononows Beschwerde wurde vom Gericht am 26. August 2004 registriert. "Im März des laufenden Jahres übermittelte uns die Gerichtskanzlei im wahrsten Sinne des Wortes ein nichtssagendes Antwortschreiben, in dem es heißt, der genaue Termin der Behandlung der Klage kann nicht genannt werden, weil das Gericht überlastet ist", sagte Joffe. "Als ich den Fall im Juni durchsah, stellte ich fest, dass bei Gericht die französische Übersetzung der Klage abhanden gekommen ist", fügte er hinzu.

    Ferner teilte Joffe mit, dass Wassili Kononow alle Gerichtsinstanzen in Lettland erschöpft hat. "Die Bedingungen dafür, dass die Klage beim Europäischen Gericht eingereicht werden kann, wurden eingehalten, darum kann es keinen formalen Einwand geben, die Behandlung der Klage durch das Gericht zurückzuweisen", unterstrich Kononows Rechtsanwalt.

    "In Fällen, bei denen es um einen besonders schlechten Gesundheitszustand und um Lebensgefahr geht, steht uns ein Anrecht auf eine vordringliche Behandlung der Klage zu, doch das Europäische Gericht schmetterte uns mit einem Zweizeiler buchstäblich ab", sagte Joffe.

    Wassili Kononow wurde in Lettland wegen der Ausführung eines Urteils im Jahre 1944, welches ein Partisanengericht gegen Helfershelfer der Faschisten verhängt hatte, zu 20 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, welche er schon in der Untersuchungshaft verbüßte.

    Die Ermittlungen der Untersuchungsbehörden gegen den betagten Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges dauerten mehr als sechs Jahre. In der Zeit seiner Untersuchungshaft verstarben sein Sohn und sein Bruder. Seine Tochter musste in eine Psychiatrie eingewiesen werden. Der 83jährige Wassili Kononow selbst wurde Schwerbehinderter; die Ärzte diagnostizierten erst kürzlich eine lebensgefährliche Erkrankung, teilte der Rechtsvertreter des Veteranen mit.