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    Russland plädiert gegen Kernbrennstoff-Kreisläufe in Ländern ohne entwickelte Atomwirtschaft

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    MOSKAU, 12. Juli (RIA Nowosti). Russland hält die Schaffung von Kernbrennstoff-Kreisläufen in Ländern ohne entwickelte Atomwirtschaft für nicht zweckmäßig, erklärte ein Experte der Föderalen Agentur für Atomenergie (Rosatom) am Vorabend der Internationalen Konferenz über geschlossene Nuklearzyklen und Fragen der Nichtweiterverbreitung gegenüber RIA Nowosti. Die Konferenz findet vom 13. bis 15. Juli in Moskau statt. "Die Position Russlands in dieser Frage hat sich absolut nicht verändert. Wir meinen, dass es wirtschaftlich nicht zweckmäßig ist, Kernbrennstoff-Kreisläufe in den Ländern zu schaffen, die über keine entwickelte Atomwirtschaft verfügen", sagte der Experte.

    Er führte aus, dass "Russland bereit sei, den Staaten komplexe Leistungen anzubieten, die ihre eigene Atomenergiewirtschaft schaffen wollen".

    "Wir sind bereit, in diesen Ländern Atomkraftwerke zu bauen, ihnen Brennstoff für die gesamte Nutzungsdauer der AKW aufzubereiten und die ausgebrannten Nuklearmaterialien auf kommerzieller Grundlage und zu Weltmarktpreisen wieder zurückzuführen", unterstrich der Experte.

    Zuvor hatte der Leiter von Rosatom, Alexander Rumjanzew, erklärt, er unterstütze die iranischen Pläne zur Schaffung eigener geschlossener Nuklearkreisläufe "aus wirtschaftlichen Überlegungen" nicht.

    Auf der internationalen Konferenz in Moskau, die von Rosatom unter Mitwirkung der Internationalen Agentur für Atomenergie (IAEA) organisiert wurde, sollen mögliche Varianten eines multilateralen Handelns bei Kernbrennstoff-Kreisläufen, Garantien der nuklearen Nichtweiterverbreitung und der Förderung der Atomwirtschaft debattiert werden.

    So sollen insbesondere die Perspektiven für die Schaffung eines internationalen Zentrums für den Umgang mit Atommüll in Russland zur Diskussion stehen.

    "Russland verfügt über alle Voraussetzungen zur Realisierung des Vorhabens", stellte der Vertreter von Rosatom fest.

    Kernbrennstoff-Kreisläufe umfassen alle Produktionsprozesse, angefangen von der Förderung des Urans bis hin zur Entsorgung des Atommülls. Die Uranlagerstätten und Kapazitäten für die Verarbeitung der Erze sind hauptsächlich in Kanada, Kasachstan, Australien, Namibia, Niger und Südafrika konzentriert. Doch mit Ausnahme von Kanada verfügen diese Länder über keine eigenen Atomenergie-Kapazitäten.

    Industrielle Kapazitäten zur Urananreicherung und zur Produktion von Kernbrennstoffen bestehen in Ländern mit einer entwickelten Atomenergiewirtschaft, so in den USA, Frankreich, Großbritannien und Russland. Die Kapazitäten zur Wiederaufbereitung von Atommüll sind in Frankreich, Großbritannien und Russland konzentriert.

    Der Experte von Rosatom teilte mit, dass "die Weltmarktpreise für Uran in den letzten beiden Jahren auf mehr als das Doppelte angestiegen sind".

    "Russland, wie übrigens auch alle anderen Länder mit entwickelter Atomenergie, verbraucht mehr Uran, als es fördert. Wir decken unseren Bedarf an Brennstoffen, indem wir unter anderem auf Uran aus der Staatsreserve zurückgreifen, die noch zu Zeiten der UdSSR angelegt wurde", sagte er.

    Laut dem Experten "müssen die geologischen Erkundungsarbeiten in Russland ausgeweitet und neue Uranlagerstätten gefunden werden".

    "Der Jahresverbrauch an Uran in der Welt beläuft sich auf 65 000 Tonnen, doch produziert werden lediglich 35 000 Tonnen. Die Fehlmengen an Uran werden durch Material abgedeckt, welches im Zuge der Abrüstung freigesetzt wird oder durch vorhandene Lagervorräte", stellte der Experte fest.

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