16:05 19 Januar 2017
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    "Wremja Nowostej": Die meisten Russen haben kein Vertrauen zum Wahlsystem

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    MOSKAU, 19. Juli (RIA Nowosti). Die Russen weisen ein großes Misstrauen gegenüber dem jetzigen Wahlsystem auf, stellen Soziologen aus dem Meinungsforschungsinstitut "Obstschestwennoje Mnenije" (Öffentliche Meinung) fest.

    Wie die Tageszeitung "Wremja Nowostej" am Dienstag berichtet, sind 55 Prozent der Befragten der Auffassung, dass die Wahlergebnisse die Meinung des Volkes nicht widerspiegeln. Nur 31 Prozent sind der Auffassung, dass die Wahlen in Russland fair verlaufen. 51 Prozent sind sicher, dass die Parlamentswahlen 2007 unfair verlaufen werden. In Bezug auf die Präsidentenwahlen 2008 vertreten 44 Prozent der Befragten diese Ansicht. Jeweils 23 und 41 Prozent meinen, die Stimmen würden fair gezählt.

    Das Hauptproblem "liegt in der generellen Einstellung der Bevölkerung, die allen Machtinstituten außer dem Präsidenten persönlich misstraut", so Iossif Diskin, Kovorsitzender des Rates für nationale Strategie.

    Zugleich sind die Russinnen und Russen auch nicht bereit, den Wahlprozess zu boykottieren. 64 Prozent der Befragten wollen an den Staatsduma-Wahlen 2007 und 73 Prozent an den Präsidentenwahlen 2008 teilnehmen. "Im öffentlichen Bewusstsein bleibt die Vorstellung weiter bestehen, dass es möglich sei, die Macht zu beeinflussen", stellte Iwan Klimow, leitender Experte des Meinungsforschungsinstituts, fest. "Es besteht eine gewisse Hoffnung, dass sich etwas ändern würde. Andererseits sind die Wahlen eine übliche Praxis geworden wie Einkaufen gehen. Wir gehen in den Laden einkaufen, der in der Nähe liegt, selbst wenn dort das Angebot unzureichend ist und die Preise nicht optimal sind."

    42 Prozent der Befragten sind sicher, dass eine Entstellung der Abstimmungsergebnisse ein Katalysator für Massenproteste werden könnte. 39 Prozent halten eine solche Entwicklung für unrealistisch. Ausgehend von den Umfragenergebnissen könnte man von potentiellen fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung sprechen, die bereit wären, auf die Straße zu gehen, sollten die Abstimmungsergebnisse durch die Rechtsverstöße radikal entstellt werden.

    Real nehmen ein bis vier Prozent an den Protestaktionen in Russland regelmäßig teil, so Klimow. "Man kann souverän feststellen: Proteststimmungen sind in der Gesellschaft vorhanden. Zugleich wollen die Leute keine revolutionären Veränderungen. Sie sehen ein, dass Revolutionen die Entwicklung des Staates verlangsamen würden." Nach Ansicht des Soziologen sind die Proteststimmungen ein guter Mechanismus für die gesellschaftliche Integration.

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