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    "Expert": Kann ein Moslem russischer Präsident werden?

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    MOSKAU, 21. Juli (RIA Nowosti). Bei der jetzigen demographischen und konfessionellen Dynamik steht die Frage, ob ein Moslem Russlands Präsident werden kann, in absehbarer Zukunft wahrscheinlich nicht mehr nur rhetorisch. Diese Meinung äußerte Valeri Jegosarjan, Chef des Zentrums für das Studium der internationalen Beziehungen des Instituts für Soziale Projekte, im politisch-ökonomischen Wochenmagazin "Expert".

    Wie eine soziologische Studie des Instituts ergab, könnte die Anzahl der russischen Wähler, die die konfessionelle Zugehörigkeit eines Kandidaten strikt berücksichtigen, rund 25 Millionen bzw. rund 22 Prozent der Wählerschaft betragen.

    Der Anteil der Moslems in Russland nimmt ständig zu: 1989 bis 1999 wuchs er von acht auf zehn Prozent der Bevölkerung (1959 lag er bei sechs Prozent). Außerdem befinden sich heute rund 20 Millionen illegale Migranten im Lande, von denen ein kolossaler Anteil Moslems aus Mittelasien und Aserbaidschan sind.

    Wahrscheinlich wird es bald keine formellen Anzeichen mehr dafür geben, dass Russland als ein vorwiegend christlicher Staat angesehen wird, führte Jegosarjan weiter aus. Sollte das jetzige Wachstumstempo der moslemischen Bevölkerung in Russland weiter bestehen, würde sich ihr Anteil an der Bevölkerung des Landes in 100 Jahren verdoppeln. Bis 2100 würden die Moslems 16 bis 18 Prozent der Bevölkerung Russlands bzw. rund 20 Millionen ausmachen. Wenn die Zahl der russisch-orthodoxen Einwohner weiter zurückgeht, so könnten der orthodoxe und der moslemische Anteil der russischen Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt und eventuell auch früher bereits gleich groß sein.

    Wie die internationale Erfahrung zeigt, sollte eine Bevölkerungsgruppe ihre Interessenvertretung in der Macht haben, sobald sie zehn bis 12 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. Widrigenfalls ist eine Zunahme ethnischer und konfessioneller Konflikte unvermeidlich. Beispiele dafür findet der Wissenschaftler in der Geschichte der letzten Jahrzehnte in den USA und in einigen postsowjetischen Staaten (Kirgisien, Moldawien, Lettland und Estland).

    Ein Teil der russischen Moslems ist bereits seit mehreren Jahren im politischen Feld aktiv. Er hat sich nach dem konfessionellen Merkmal zusammengetan und wird weiter wachsen, lautet die Prognose des Experten. Insofern wirkt die Annahme, dass Russland einmal einen moslemischen Präsidenten hat, nicht mehr als eine Phantasterei.

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