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    "Nesawissimaja Gaseta": Korruptionsmarkt in Russland bis auf drei Milliarden Dollar angewachsen

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    MOSKAU, 21. Juli (RIA Nowosti). Der Umfang des Korruptionsmarktes im Lande ist in den zurückliegenden vier Jahren von 2,8 auf drei Milliarden Dollar angewachsen. Das geht aus einem Bericht des INDEM-Fonds "Dynamik der russischen Korruption: 2001 bis 2005" hervor, berichtet die "Nesawissmaja Gaseta" am Donnerstag.

    Die relative Stabilität dieses Markts ist nach Ansicht von Experten dieses nichtstaatlichen Fonds damit zu erklären, dass in der Gesellschaft zwei Prozesse parallel verlaufen. Einerseits ist der Korruptionsdruck der Beamten auf die Bevölkerung größer geworden (2001 lag dieser Indikator im Bereich der alltäglichen Korruption - Polikliniken, Schulen, Verkehrspolizei - bei 25,7 und 2005 bereits bei 35 Prozent), und die Größe einer durchschnittlichen Bestechung hat sich, in Dollar umgerechnet, verdoppelt. Andererseits ging die Nachfrage nach Korruption und die Bereitschaft der Bürger, Bestechungsgelder zu geben, von 74,1 Prozent 2001 auf 53,2 Prozent in diesem Jahr zurück.

    "Das Erfreulichste: Die einfachen Menschen zahlen nicht nur weniger Bestechungsgeld, sie lernen auch, ihre Probleme ohne dieses zu lösen", sagte der INDEM-Chef Georgi Satarow. Zugleich steht hinter dem Rückgang des Korruptionsumfangs im Gesundheitswesen "ein dramatisches Bild", führte er weiter aus: Die Menschen verzichten auf die Privatmedizin, weil sie kein Geld haben. Aus dem gleichen Grund können sie auch von der Gratis-Medizin keinen Gebrauch machen, weil sie auch kein Schmiergeld dazu haben.

    Ein besonders besorgniserregendes Symptom sei eine "unglaubliche Zunahme" des Korruptionsmarktes im Bereich der Einberufung zum Wehrdienst, hieß es im Bericht. "Es handelt sich um ein Wachstum dieses Marktes von mehreren Tausend Prozent gegenüber 2001." In den absoluten Zahlen wuchs dieser Markt von 12,7 auf 353,3 Prozent im Jahre 2005. Als Folge wächst auch der Umfang der Bestechlichkeit an den Hochschulen, weil die Immatrikulation einen Wehrdienstaufschub garantiert.

    Die Verfasser des Berichts stellen fest: "Die realen Dimensionen der Korruption im Lande übertreffen die veröffentlichten Zahlen wesentlich." Wie auch vor vier Jahren liegt Russland auf Platz 90 unter den 145 Ländern auf der Liste des Korruptionsstands. Dabei wechselten sich die nächsten Nachbarn Russlands auf dieser Liste. 2001 war der Korruptionsstand in Russland mit analogen Kennzahlen in Polen und in den baltischen Ländern vergleichbar. 2005 landete Russland neben Ländern Mittelasiens und Afrikas.

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